Leipzig. Nach den Läufern am Samstag ließen sich gestern die Springer bei den deutschen Hallenmeisterschaften in Leipzig von 3500 begeisterten Leichtathletik-Fans feiern. Aber dann zauberte Konstanze Klosterhalfen mit dem U20-Hallen-Europarekord doch noch ein Glanzlicht auf der Laufbahn.

8:56:36 Minuten lief das große Lauftalent über 3000 Meter und blieb dabei zehn Sekunden unter der alten Marke der gestern zweitplatzierten Alina Reh. Klosterhalfen quietschte vor Glück nach ihrem Alleingang. „Es ging gar nicht so gut los, aber dann spürte ich, dass der Rekord möglich ist“, sagte sie, „einfach super“.

Da hatte gerade Mariusz Przybylko (24) im Hochsprung mit der persönlichen Bestleistung von 2,29 Meter wie im Vorjahr den zehn Jahre älteren Eike Onnen (2,29 m) hinter sich gelassen. Und da hatte auch Shooting-Star Alexandra Wester, die nach ihren 6,95 Meter vor zwei Wochen in Berlin wie ein Popstar gefeiert wird, eine tolle Serie hingelegt – vier Sprünge über 6,63 m – und mit 6,75 den Weitsprung gewonnen. „Ich musste erst mal in den Wettbewerb reinkommen und auf der schnellen Bahn mit dem Anlauf einen Meter zurückgehen. Ab jetzt heißt es nur noch: Blick Richtung Portland und dort bei 6,70 Meter stabilisieren“, sagte die 21-Jährige.

Und noch einer, endlich mal ganz spontan, sagte die Teilnahme an der Hallen-WM zu, nachdem er schon vor einem halben Jahr vorsichtshalber den Reisepass hatte verlängern lassen und gestern die WM-Norm exakt traf: 17,00 Meter im Dreisprung. Der Chemnitzer Max Heß sagte: „Warum soll ich das nicht wahrnehmen? Ich bin jung, will Erfahrung sammeln. Das geht in Portland richtig gut.“ Der 19 Jahre alte U20-Vizeweltmeister von 2014 (16,55 m) meinte: „Für den deutschen Dreisprung sind die 17 Meter endlich mal wieder ein Riesenschritt. Für mich sind sie unglaublich, es war ein tolles Gefühl der Schwerelosigkeit, der Freiheit.“ Heß gab zu, diesen erfolgreichen fünften Versuch ursprünglich auslassen zu wollen. „Aber es hatte solchen Spaß gemacht, das Publikum war so klasse, also habe ich ihn gemacht.“ Zum Glück. Zum dritten Mal Zweiter wurde Martin Seiler, der Schützling von Juri Tscherer beim ABC Ludwigshafen, mit 15,85 Meter.

Aus Raphael Holzdeppes erstem Hallentitel wurde gestern nichts. „Ich bin beim Einspringen umgeknickt. Wir haben erst einmal Eis drauf gemacht. Ob es etwas Schlimmeres ist, weiß ich nicht, ich lasse morgen eine Kernspintomographie machen. Schade ich habe mich heute gut gefühlt“, sagte Holzdeppe. Lange hatte er mit schmerzverzerrtem Gesicht auf der Matte gelegen, konnte zunächst nicht aufstehen. Trainer Andrei Tivontchik eilte zu ihm, auch der Chefarzt des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, Dr. Hermann Schreiber. Dieser sagte gegenüber der RHEINPFALZ: „Er war gut erstversorgt, ich habe ihm einen Kompressionsverband angelegt, mit Tabletten versorgt und ihn in Ruhe heimgeschickt.“ Schreiber erzählte, auch, wie es gekommen war: „Raphael sagte mir, er sei beim Durchlaufen an die Rückwand des Einstichkastens gerutscht und dabei umgeknickt. Ein Missgeschick.“ Ob er zur Hallen-WM fliegen kann, kann man derzeit wirklich noch nicht sagen. Schreiber: „Da muss man die Untersuchung abwarten, aber ich rechne, dass es nur eine Stauchung ist.“

Aber Holzdeppe sah sich ja durch seinen LAZ-Kollegen Daniel Clemens bestens vertreten: Mit 5,50 Meter belegte der 24-jährige Bundeswehrsoldat den zweiten Platz. Es ist der größte Erfolg seiner Karriere. Den Wettkampf gewann Carlo Paech mit 5,60 Meter, seit 21 Jahren die schwächste Siegerhöhe. Beim 1500-m-Sieg von Florian Orth (Regensburg) kam der Südpfälzer Patrick Zwicker (LC Rehlingen) „nur“ auf Platz vier, weil ihm ein Konkurrent seine Spikes hart in den rechten Fuß rammte. Und Sprintkönig Julian Reus lief superstarke 20,55 Sekunden über 200 Meter.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
27.–28.02.2016 Deutsche Hallenmeisterschaften 2016 Leipzig (Deutschland)