Viel Kritik und selten ein Dank – ein Ehrenamt ist oft eine ungeliebte Angelegenheit. Drei junge Menschen erzählen, warum es sich dennoch lohnt, Verantwortung in einem Verein zu übernehmen, warum ihnen die Vereinsarbeit Spaß macht und was sie an ihrem Amt motiviert.

Willst du froh und glücklich leben, lass kein Ehrenamt dir geben!“ Ob es nun Wilhelm Busch war oder doch Joachim Ringelnatz: Wer das Gedicht „Nur kein Ehrenamt“ verfasst hat, ist egal, viele Menschen denken so. Sportvereine konkurrieren heute nicht nur umsportlichen Nachwuchs, sondern haben es zunehmend schwer, Nachfolger für die Führungsebene zu finden – Jüngere sind in solchen Positionen fast Exoten. Die RHEINPFALZ hat im Raum Zweibrücken drei Gegenbeispiele gefunden.

„Wir haben es einfach gemacht“, sagt Bernhard Brenner, Vorsitzender des LAZ Zweibrücken. Im Jahr 2012 hat der damals 25-Jährige vorzeitig die Amtsgeschäfte vom vorherigen Vereins-Chef Josef Scheer übernommen. 2013 wurde Brenner mit Alexander Vieweg und Ann-Kathrin Schwarz offiziell im Amt bestätigt. „Wir sind ein Verein mit etwa 450 Mitgliedern und einem nicht geringen Jahresumsatz.Wir machen absoluten Leistungssport. Unser Ziel ist es nicht, Deutsche Meister zu produzieren, sondern Sportler für die internationale Spitze“, sagt Brenner.

Für den 27-Jährigen war die Übernahme der vordersten Führungsposition ein logischer Schritt in einer Reihe. „Ich bin seit 1998 im Verein, mit einemkurzen Intermezzo, kenne also die Abläufe hier von klein auf. Seit 2009 bin ich Jugendtrainer mit einer eigenen Gruppe“, sagt Brenner, der immer noch bei Meetings als Stabhochspringer startet. „2010 hab’ ich mein erstes Trainingslager für den Nachwuchs organisiert, das kam gut an“, sagt Brenner, der dabei merkte, dass ihm das Organisieren und Führen ein bisschen im Blut liegt. In den nächsten Tagen fährt er wieder mit 18 jugendlichen Springern zum Trainieren nach Italien.

Seit Ende 2010 war Brenner zweiter LAZ-Vorsitzender. „Von daher kannte ich das Geschäft rund um den Verein schon relativ gut. Die Zeit reinzuschauen, reicht zwar nie ganz aus, aber ich bin hier nicht ins kalte Wasser geworfen worden“, verdeutlicht er. Der Ex-Vorsitzende Scheer habe ihn schon früh zu Meetings mit dem Landessportbund in Mainz oder an den Olympiastützpunkt in Saarbrücken mitgenommen. „Wir haben im neuen Vorstand keinen Plan niedergeschrieben, aber Visionen hatten und haben wir natürlich“, sagt Brenner. Eine sei, mit dem LAZ wieder mehr Präsenz in der Stadt zu zeigen. Mit dem Himmelsstürmer-Cup vor dem Rathaus und dem Hallenstürmer-Meeting hat das LAZ seither zwei prima Veranstaltungen reanimiert.

Brenner gibt zu, dass die Hemmschwelle zum Ehrenamt sicher etwas größer gewesen wäre, wenn er nicht sein Studium des Wirtschaftsingenieurswesens und seinen Job im Controlling bei Bosch,wo er für die finanzielle Kontrolle von rund 800 Mitarbeitern zuständig ist, als Hintergrund gehabt hätte. Eine gute Aufgabenteilung im Vorstand sei mit das Wichtigste, denn „wir haben alle nicht viel Zeit und müssen sie uns daher gut einteilen“. Daraus, dass die Mitglieder bei Veranstaltungen kommen, mitziehen und anpacken, zieht er ein positives Feedback: „Irgendwas muss man da schon richtigmachen“.Wie lange er den Job im Verein machen will, da will er sich nicht festlegen, das hänge auch vom Arbeitgeber und dem Privatleben ab.

An dieser Schwelle steht derzeit genau Anna-Lena Brengel. Die 19-Jährige hat gerade ihr Abitur am Hofenfels-Gymnasium bestanden, seit fünf Jahren engagiert sie sich bei den Wassersportfreunden Zweibrücken als Schwimmtrainerin. Seitdem steht sie Samstag für Samstag im Wasser und hilft den Kleinsten bei den ersten Schwimmversuchen. Ob sie das auch in Zukunft machen kann, weiß sie noch nicht. „Ich möchte jetzt erstmal ein Freiwilliges Soziales Jahr oder ein Praktikum in einer Kita oder einer Schule machen“, sagt sie. Danach soll ein Studium im sozialen Bereich folgen. Ob und wie das mit ihrer Tätigkeit als Trainerin vereinbar ist, muss sie dann sehen.

Mit zwölf Jahren hat Anna-Lena Brengel mit dem Leistungsschwimmen aufgehört und mit Fußball angefangen. Sie kickt heute noch beim SV Bierbach in der Landesliga Saar. Den Wassersportfreunden blieb sie als Trainerin treu. „Ich hab schon relativ früh Verantwortung bekommen. Ich hatte aber auch viel Hilfe von den anderen Trainern und von daher nie Angst,was falsch zumachen“, sagt sie zu ihren Anfängen. „Schwimmen lernen ist für viele Kinder ein großer Schritt. Mir macht’s einfach riesig Spaß, sie dabei zu begleiten“, beschreibt sie ihreMotivation.Ob die sie weiter in Richtung Vorstandsarbeit im Verein führt, kann sie derzeit nicht sagen: „Der Aufwand dafür ist sicher höher. Ich weiß nicht, ob das jetzt mit dem Alltag, Studium und Hobbys, vereinbar wäre.“

Stefanie Kaufmann von der Schützengesellschaft Wattweiler hat diesen Schritt schon hinter sich. Die 29-Jährige ist seit März Vorsitzende der Wattweiler Sportschützen und lebt mit ihrem Mann und dem zweijährigen Sohn Björn in Homburg-Einöd. Sie hat eine Ausbildung als Altenpflegerin abgeschlossen und will sich gerade als Ernährungsund Gesundheitsberaterin selbstständig machen. Auch bei ihr kam das Amt nicht von ungefähr: Mit zwölf Jahren fing sie mit dem Schießen an, übernahm mit 19 Jahren die Jugendleitung im Verein, saß damit auch im Vorstand. Vor zwei Jahren kam die Jugendleitung im gesamten Sportschützenkreis Zweibrücken hinzu.

Stefanie Kaufmann wollte mit gutem Beispiel vorangehen, nachdem der alte Vorsitzende nicht mehr kandidieren wollte: „Die Frage war: Wer macht’s überhaupt oder müssen wir sogar zumachen? Die anderen sollten sehen, dass auch mal Jüngere übernehmen. Wenn da nichts nachkommt, wird’s schwierig für einen Verein.“ Sie hatte eigentlich schon genug zu tun, aber sie traute sich den Job an erster Stelle des Vereins zu.

Der Arbeitsaufwand ist seitdem schon gestiegen, „ich hab’ die anderen Ämter ja noch“. Aber die Vorstandschaft stehe hinter ihr, Arbeit lasse sich auch gut delegieren, „und es machtmir Spaß,mich in Themen einzuarbeiten“. Nun wirbt sie noch intensiver für ihre Sportart: „Schießen darf man ab zwölf Jahren. Da sind viele Kinder schon in anderen Sportarten untergekommen. Und man muss auch viel Überzeugungsarbeit für die Sportart Schießen leisten.“ Das macht sie natürlich gerne – und ist als junge Frau im Job des Vereins-Chefs quasi eine Doppelrarität.