Merkur-Interview mit dem Vorsitzenden des LAZ Zweibrücken, Josef Scheer, zur Vermarktung des Namens

Zweibrücken. Das Leichtathletikzentrum (LAZ) Zweibrücken gehört zu den erfolgreichsten Leichtathletik-Vereinen in Deutschland. In diesem Jahr blickt das LAZ auf 20 Jahre Leistungssport zurück. Merkur-Redakteur Werner Kipper sprach mit dem Vorsitzenden Josef Scheer (Foto: pma).

Josef Scheer
Josef Scheer

Welchen Stellenwert hat das LAZ dem Leistungssport in Zweibrücken verliehen?

Scheer: Die Informationen der regionalen Presse des letzten halben Jahres füllen einen Ordner DIN A 4. Dazu entstanden verschiedene Filmbeiträge, wie im ZDF. Meines Wissens schwärmen in Zweibrücken sogar ältere Damen von Raphael Holzdeppe und Co. Viele Kinder und Jugendliche wünschen sich Autogramme. Das LAZ ist sportlich ein Global Player, seine Athletinnen und Athleten treten rund um den Globus auf.

Sind die ursprünglichen Vorbehalte gegenüber dem LAZ Zweibrücken abgeebbt?

Scheer: Mögliche frühere Vorbehalte stammen aus der Zeit vor mir. Meine Vereinspolitik zielt auch weiter auf die Integration des LAZ in das Vereinsleben in Zweibrücken. Dabei ist sehr bemerkenswert, dass das LAZ bei der vom Pfälzischen Merkur durchgeführten Wahl zum Verein des Jahres 2007 als Sportverein den dritten Platz errungen hat. Im übrigen haben unsere Athletinnen und Athleten das LAZ beispielsweise bei dem Sportfest für Behinderte 2008 vertreten, und sind meines Wissens nach auch im Leben der Schulen und so weiter ganz gut vertreten.

Blickt das LAZ Zweibrücken auf sein erfolgreichstes sportliches Jahr zurück?

Scheer: Von der Anzahl der Kaderathleten sehr wahrscheinlich. Das sind elf mit Option auf 13, letztes Jahr waren es sechs. Globale Spitzenleistungen hat es aber im LAZ immer schon gegeben, nur ein Beispiel ist Andrei Tivontchiks Bronzemedaille bei Olympia 1996.

Zahlen sich die Erfolge außer Komplimenten auch in barer Münze aus?

Scheer: Die finanziellen Zuwendungen der Verbände steigen in der Reaktion auf die großartigen Leistungen. Man darf aber nicht vergessen, dass großartige Leistungen das LAZ auch finanziell mehr fordern – im aktuellen Leistungs- und Spitzensport gibt es heute nichts mehr für einen Appel und ein Ei!

Welchen Imagegewinn hat dem LAZ die Olympiateilnahme von Raphael Holzdeppe und dem neuen DLV-Stabhochsprungtrainer Andrei Tivontchik gebracht?

Scheer: Das erreicht schon einen besonderen Grad der Bewunderung. Man wird häufig von Menschen angesprochen, Fachleute sind bestens informiert, Verbände fiebern mit. Die Namen Raphael Holzdeppe und Andrei Tivontchik werden tatsächlich global gehandelt.

Stehen Athleten Schlange, um sich dem LAZ anzuschließen?

Scheer: Zwar nicht in langen Schlangen, aber dennoch haben und hatten wir Anfragen aus Ungarn, Luxemburg, Österreich, USA. Man will für das LAZ Zweibrücken und Deutschland starten.

In der Mitgliederversammlung morgen steht eine zukunftsträchtige Veränderung an. Vermarkten Sie den Namen des LAZ?

Scheer: Die Welt des Sports, besonders des Leistungssports, hat sich tiefgreifend gewandelt. Sport und Wirtschaft gehen zahlreiche Partnerschaften zum gegenseitigen Wohl ein. Allerdings entscheidet man nicht spontan. So habe ich dieses Thema auf die Agenda der Jahreshauptversammlung gesetzt. Ich kann der Mitgliederversammlung nicht vorgreifen. Allerdings gibt es eine konkrete Anfrage. Dies ehrt das LAZ sehr, und wir wollen uns für einen weiteren Schritt rüsten. Dies zeigt aber auch, wie das LAZ und seine Athleten marktwirksam sind. Wir würden keinen neuen Weg beschreiten. „Bayer Leverkusen“ ist allen Menschen in Deutschland bereits ein Begriff. Natürlich würden wir auf dem Teppich der Normalität bleiben. Eines ist aber jetzt schon sicher: Ein LAZ „Beate Uhse“ Zweibrücken wird es nicht geben.

Was ist der tiefere Grund für diese Partnerschaft?

Scheer: Leistungssport und Spitzensport sind immer auch eine Frage der Finanzierbarkeit. Dabei kann die Leichtathletik mit dem Fußball beispielsweise nicht Schritt halten. Dennoch können wir nicht von Almosen leben. Zwischenzeitlich zeigen sich Deutscher Leichtathletik-Verband, Landessportbund, Olympiastützpunkt, Sportbund Pfalz und andere großzügig. Man weiß besonders im Jahr der Weltmeisterschaft 2009 in Berlin auch um die Bedeutung des LAZ für Rheinland-Pfalz und Deutschland. Dabei sind finanzielle Zuflüsse seitens der Verbände über den kommenden Olympiazyklus vorhanden. Solange in Zweibrücken die Leistungen wie zurzeit stimmen, ist die Zukunft des LAZ gesichert. Also dürfen wir nicht nachlassen, Leistungen zu fordern und zu bringen, nur dafür werden wir gefördert. Das klingt hart, ist es auch. Sport ist eben nicht mehr nur eine der schönsten Nebensachen der Welt. Ein vernünftiges Sponsoring, wie das LAZ es anstrebt, wird uns in die Lage versetzen, mit der Konkurrenz mitzuhalten, die eben nicht in der Provinz zu Hause ist, sondern in Leipzig, Frankfurt, Leverkusen. Ein Teil der zusätzlichen Einahmen durch Sponsoring sollte den Trainern und Übungsleiterinnen und Übungsleitern zu gute kommen, die Vorbildliches fast zum Nulltarif leisten, ferner den Kindern und Jugendlichen, danach der vereinseigenen Halle, die technisch und optisch erhalten bleiben muss.
Raphael Holzdeppe als Weltenbummler
Raphael Holzdeppe als Weltenbummler. Diese Pose des LAZ-Stabhochspringers nach einem gelungenen Sprung bei Olympia in Peking wurde in viele Länder übertragen. Foto: dpa