Karl-Heinz Werle vom Leichtathletikzentrum Zweibrücken im Interview

Zweibrücken. Das LAZ Zweibrücken gehört zu den führenden Leichtathletik-Vereinen in Deutschland. Höhepunkt in der über 20-jährigen Geschichte des Bundesleistungszentrums war im vergangenen Jahr der achte Platz von Raphael Holzdeppe bei den Olympischen Spielen in Peking. Merkur-Redakteur Werner Kipper sprach mit dem Sportlichen Leiter und stellvertretenden Vorsitzenden, Karl-Heinz Werle (Foto: pma).

Karl-Heinz Werle
Karl-Heinz Werle

Wie hat sich der Erfolg Raphael Holzdeppes bei den Olympischen Spielen auf den Verein ausgewirkt?

<blockquote><strong>Werle:</strong> Der Verein hat durch diesen Erfolg in der gesamten Republik an Ansehen gewonnen, was auch dem sympathischen Auftreten des Athleten in der Öffentlichkeit zu verdanken ist. Man kennt uns in Deutschland und schätzt unsere Arbeit und man spricht von Zweibrücken. Die Resonanz in Zweibrücken war in meiner Wahrnehmung allerdings bescheiden.</blockquote>

Hatten Sie bei der Gründung des LAZ mit dem verstorbenen Vorsitzenden Professor Dieter Kruber mit dieser sportlichen Entwicklung gerechnet?

<blockquote><strong>Karl-Heinz Werle:</strong> Der Erfolg von Raphael Holzdeppe war sicherlich das spektakulärste Ergebnis in der 20-jährigen Vereinsgeschichte. Den größten Erfolg erzielte Andrei Tivontchik, als er bei den Spielen in Atlanta die Bronzemedaille gewann und höhengleich mit dem Sieger olympischen Rekord sprang. Als wir 1988 das LAZ gründeten, war es unser Ziel, Spitzenleichtathletik zu ermöglichen. Wir wussten, dass dazu große Anstrengungen nötig sind, und stellten uns dieser Aufgabe. Wir konnten damals natürlich nur hoffen, dass dies gelingt.</blockquote>

Worin liegt das Erfolgsrezept begründet?

<blockquote><strong>Werle:</strong> In der Beschränkung auf das was wir können, in der Auswahl und Qualifikation geeigneter Trainer und Übungsleiter und in einem ausgeklügelten Talentsichtungs- und -förderungssystem.</blockquote>

Wie bewerten Sie die Erfolge des LAZ-Nachwuchses bei der Jugend-DM?

<blockquote><strong>Werle:</strong> Zwei Meistertitel durch Nathasha Benner und Till Wöschler, die Vizemeisterschaft durch Daniel Clemens, die Bronzemedaille durch Sara-Cathrin Krieg und die andere guten Platzierungen zeigen, dass wir offenbar auf dem richtigen Weg sind.</blockquote>

Sie setzen auf die duale Ausbildung Ihrer Sportler. Ist derzeit der EM-Sechste von Göteborg, Jens Werrmann, der bei der Bundespolizei in Cottbus seine Abschlussprüfungen schreibt, das beste Beispiel?

<blockquote><strong>Werle:</strong> Es wäre unverantwortlich, jungen Athleten eine reine Sportkarriere in einer Sportart anzuraten, in der nur die absolute Weltspitze ihren Lebensunterhalt mit Sport bestreiten kann. Deshalb suchen wir nach Möglichkeiten, bei denen sich Hochleistungssport und berufliche Ausbildung kombinieren lassen. Bei Jens Werrmann bot sich die Kombination mit einer Ausbildung in der Sportfördergruppe der Bundespolizei an. Andere wie Kristina Gadschiew oder Hannah Wilhelm studieren an den Hochschulen der Umgebung.</blockquote>

Ist der Stellenwert des LAZ durch die Berufung von Andrei Tivontchik zum Bundestrainer der Stabhochspringerinnen vom DLV besonders gewürdigt worden?

<blockquote><strong>Werle:</strong> Sicherlich hat die Berufung Andrei Tivontchik zum Bundestrainer die Aufmerksamkeit auch stärker auf die Arbeit im Bundesleistungszentrum Zweibrücken gelenkt.</blockquote>

Ist die Zukunft des LAZ durch die Infrastruktur in Zweibrücken gesichert?

<blockquote><strong>Werle:</strong> Wir verfügen über gute Trainingsstätten und gut ausgebildete Trainer. Damit müssen wir unsere Athleten zum Erfolg führen. Dann fließen auch die notwendigen Mittel, die den Standort sichern. Wir sind also zum Erfolg verpflichtet.</blockquote>

Ist Leistungssport in Zukunft auch in Zweibrücken finanzierbar?

<blockquote><strong>Werle:</strong> Wenn der Erfolg da ist, unterstützen uns die Verbände und Sportorganisationen. Was wir dringend brauchen sind aber Sponsoren und Mäzene, die bereit sind, erstklassigen Sport zu fördern und zu unterstützen, um Durststrecken zu überwinden und die Weiterentwicklung zu garantieren.</blockquote>

Wie sehen Sie die Doping-Problematik?

<blockquote><strong>Werle:</strong> Ich vergleiche Doping mit einem Krebsgeschwür, das in alle Sportarten ausstrahlt und das mit allen Mitteln bekämpft werden muss. Dazu sind alle aufgefordert: Die, die im Sport Verantwortung tragen, und auch jene, die in der Gesellschaft das Sagen haben und ihre Hände so gerne in Unschuld waschen. Eine große Verantwortung tragen aber auch die Medien, die einerseits den Betrug stärker ächten und andererseits die regulär erzielten Leistungen besser würdigen müssen. Ich glaube, dass die deutsche Leichtathletik mit ihrem flächendeckenden Kontrollsystem auf dem richtigen Weg ist, dem Missbrauch vorzubeugen. Ganz ausschließen kann man ihn wahrscheinlich nicht. Deshalb liegt die Verantwortung auch in der Erziehung zu einem sauberen Sport an der Basis, einer Aufgabe der sich das LAZ seit seiner Gründung angenommen hat und für die auch ich stehe.</blockquote>
Raphael Holzdeppe
Stabhochspringer Raphael Holzdeppe ist das Aushängeschilddes LAZ. Foto: dpa