Nach seinem Seuchenjahr wollte Raphael Holzdeppe einfach wieder in Höhen hinaus, mit denen er international mitmischen kann. Eindrucksvoll hat sich der Zweibrücker mit 5,94 Metern zurückgemeldet. Damit gehört der Titelverteidiger auch bei der WM in Peking zum erweiterten Favoritenkreis.

Zweibrücken. Das Seuchenjahr scheint vergessen. Stabhochspringer Raphael Holzdeppe hat sich zurückgekämpft. Fliegt höher als je zuvor – und damit mitten hinein in den Favoritenkreis für die Weltmeisterschaften in Peking (China). „Mein Hauptziel ist eine Medaille“, kann der 25-Jährige daher auch selbstbewusst mit einem Lachen erklären.

Noch Anfang des Jahres hätte niemand den Titelverteidiger in diese Rolle gehoben. Sechs Meter hatte der Athlet des LAZ Zweibrücken nach seinem überraschenden WM-Titel 2013 angepeilt, kam im darauffolgenden Sommer nicht über 5,53 Meter hinaus. Brach die Saison ab. Durchwachsene Wettkämpfe im Winter mit 5,60 Metern als beste Höhe folgen. Doch alle Zweifel schieben Raphael Holzdeppe und Trainer Andrei Tivontchik, zu dem er aus München zurückgekehrt ist, beiseite. „Es war natürlich viel Arbeit. Es musste viel und hart trainiert werden. Aber ich wusste, dass es wieder möglich ist, richtig hoch zu springen“, betont der Zweibrücker, dass er nie aufgegeben hat. Genau dieser Glaube an sich und seine Leistungsfähigkeit seien die Motivation gewesen, das Ganze am Laufen zu halten.

Dass noch vor der WM Höhenflüge zur neuen Bestmarke von 5,94 Metern gelingen würden, damit hatte Holzdeppe selbst nicht unbedingt gerechnet. „Ich wäre auch zufrieden gewesen, wenn ich am Ende mit 5,80 Metern in der Bestenliste gestanden hätte, weil das letzte Jahr ja alles andere als gut gelaufen ist.“ Sein Ziel sei es einfach gewesen, „wieder Höhen zu springen, mit denen ich international mitmischen kann“. Dass er als Titelverteidiger bei der WM gesetzt ist und damit nicht den Druck hatte, die Norm (5,70m) unbedingt springen zu müssen, sei daher zweitrangig gewesen. „Was das Ganze erleichtert hat, war eher, dass ich mich nicht noch national durchsetzen musste“, betont der Zweibrücker, der den Fokus statt auf die Deutschen Meisterschaften gleich auf die WM legen konnte.

Dass es in diesem Jahr dennoch erstmals mit dem DM-Titel klappt, passt in das erfolgreiche Comeback. „Das letzte Mal, als es in der Vorbereitung so gut funktioniert hat, war 2013. Und da wurde es ja sehr erfolgreich“, denkt Holzdeppe an das Jahr seines WM-Triumphes in Moskau zurück. Genau diese Erinnerungen sollen ihm in Peking helfen. Die negativen Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr spielten keine Rolle mehr, sind abgehakt. „Ich weiß, wie ich mich verhalten muss, um mein bestmögliches Ergebnis abzuliefern“, betont Holzdeppe.

Und dieses Bestmögliche soll nun in Peking mit Edelmetall für den Zweibrücker belohnt werden. Es wäre die Krönung für das Jahr und die gelungene Rückkehr in die Weltspitze. „Es ist alles möglich“, betont Holzdeppe. „Wenn es extrem stark wird, kann man mit 5,85 Metern Zehnter werden, genauso mit übersprungenen 5,90 oder 5,95 Metern im ersten Versuch Weltmeister.“ Das Feld sei extrem nah beisammen. So kann der Titelverteidiger auch keinen echten Favoriten ausmachen. Natürlich sei der Franzose Renaud Lavillenie als Weltjahresbester (6,05 m) „schon auch in der Favoritenrolle. Aber es ist nicht die alleinige wie die letzten Jahre.“ Fünf Athleten sind mit Lavillenie, Holzdeppe, Shawn Barber (Kanada, 5,93m), Thiago Braz (Brasilien, 5,92m) und Konstantinos Filippidis (Griechenland, 5,91m) in diesem Sommer bereits über 5,90 Meter gesprungen. Holzdeppe: „Man darf niemanden außer Acht lassen. Und man darf nie vergessen, dass solche Meisterschaften Athleten dazu inspirieren, höher zu springen als jemals zuvor.“ Sodass auf einmal jemand ins Rampenlicht rückt, mit dem niemand im Vorfeld gerechnet hat. „Weltmeisterschaften haben ihren eigenen Charakter.“ Und obwohl Holzdeppe schon zahlreiche internationale Meisterschaften hinter sich hat, steigt auch diesmal die Anspannung wieder. „Ich bin vor jedem Wettkampf nervös“, erklärt Holzdeppe.

Doch wenn er im Vogelnest von Peking steht, dem Nationalstadion, und das Aufwärmen beginnt, „dann verschwindet diese Nervosität irgendwie. Dieses Hinfiebern, endlich anfangen zu können – das ist die schlimmste Zeit für mich!“ Doch auch die ist vergessen, wenn am Samstag gleich zum WM-Auftakt die Quali ansteht.

Ein historischer Augenblick: Weltmeister Raphael Holzdeppe lauscht 2013 bei der Siegerehrung der Nationalhymne. Diesen Moment würde er gerne wiederholen.
Ein historischer Augenblick: Weltmeister Raphael Holzdeppe lauscht 2013 bei der Siegerehrung der Nationalhymne. Diesen Moment würde er gerne wiederholen. (Foto: Birkenstock/pmz)

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
22.–30.08.2015 Weltmeisterschaften 2015 Peking (China)