Karlsruhe. Cindy Roleder (26) hatte letzten Sommer in Peking die Gunst der Stunde genutzt und sich mit WM-Silber über 100 Meter Hürden in die Herzen der Fans gelaufen. In Sponsorenanfragen habe es sich nicht ausgezahlt, bedauerte sie gestern mit einem „Schade eigentlich“. Morgen will sie beim 32. Karlsruher Indoor-Meeting punkten. Ab 16 Uhr gibt’s ein paar Dutzend Restkarten an den Kassen der Karlsruher Messe.

8,01 Sekunden war sie am Mittwoch in Düsseldorf gelaufen. Damit kann das Ziel für morgen nur heißen: „Unter acht Sekunden“. Noch ein bisschen müde nach einer kurzen Nacht, sagte sie gestern in Karlsruhe: „Ich bin selbst gespannt, was ich auf die Bahn zaubere. Sie ist sehr schnell, das weiß ich. Ich bin letztes Jahr hier 7,99 Sekunden gelaufen.“ In Düsseldorf habe ihr noch der Rhythmus gefehlt und gegen die vierte Hürde sei sie auch gelaufen.

Gleichwie – die Hallensaison ist für die Chemnitzerin nur eine Durchgangsstation. Sie startet noch am 20. Februar beim Indoormeeting in Glasgow und eine Woche später bei den deutschen Meisterschaften in Leipzig. Die Hallen-WM in Portland ist kein Thema für sie. Diese findet, und das ist unbegreiflich, erst vom 17. bis 20. März statt, weil die Halle nicht früher frei war. „Da bin ich schon lange im Trainingslager. Mein Fokus liegt ganz klar auf der Sommersaison, auf der EM in Amsterdam und auf den Olympischen Spielen in Rio“, sagte Roleder.

Auch Götzis steht wieder in ihrem Terminkalender. Denn: Vom Siebenkampf will die Hürdenspezialistin auch 2016 nicht lassen. Ihr Abstecher ins Mehrkampflager, die Abwechslung im Training, hat sie lockerer werden lassen. Wie auch der Gewinn der Silbermedaille. „Ich stehe seither mehr im Fokus, und das macht mir Spaß, aber ich gehe noch genauso jeden Tag ins Training wie davor“, sagte sie.

Auf Cindy Roleder warten morgen in Nadine Hildebrand, Pamela Dutkiewicz und Ricarda Lobe aus Landau starke nationale, aber in Kendra Harrison, Nia Ali (beide USA) und Tiffany Porter (Großbritannien) auch sehr starke internationale Gegnerinnen.

Erst zwei Stabhochspringer haben die sechs Meter in einer deutschen Halle überflogen: Sergej Bubka 1992 in Berlin (6,13 m) und Danny Ecker 2001 in Dortmund (6,00 m). Raphael Holzdeppe und sein Trainer Andrei Tivontchik signalisierten mehrfach, dass Holzdeppe bereit ist für einen Sprung über die Traumhöhe. Aber da muss alles stimmen! Er und Weltmeister Shawn Barber verfehlten in Düsseldorf noch ihre eigenen Ziele, also heißt es in der Karlsruher Messehalle: Auf ein Neues! Springt einer die sechs Meter? Und wer? Auch Olympiasieger Renaud Lavillenie, der seine Verletzung auskuriert hat, ist mit im Rennen.

Als das WM-Podium in Peking mit Barber, Holzdeppe und Lavillenie festgestanden hatte, dazu mit dem Franzosen auf dem Bronzerang die beiden Polen Wojciechowski und Lisek, war sich der Karlsruher Meetingdirektor Alain Blondel umgehend sicher: „Die Drei sind meine drei für das Karlsruher Indoormeeting, egal, was es kostet.“ Der weltweit sehr gut vernetzte Blondel, der als der Initiator der neuen, in Karlsruhe beginnenden „IAAF World Indoor Tour“ gilt, hat Wort gehalten und präsentiert morgen dieses Hammer-Trio: den Hallen-Weltrekordler Lavillenie (6,16 m), den Kanadier Barber, der die Saison vor drei Wochen unter freiem Himmel in Reno mit 6,00 Meter begann, und den Zweibrücker Holzdeppe, der es 20 Stunden nach seinem Besuch bei „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“ in Karlsruhe krachen lassen will.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
06.02.2016 IAAF Indoor Meeting Karlsruhe 2016 Karlsruhe (Deutschland)