20 Kilometer Gehen – und das bei diesem Supersommerklima. Puuh. Bernhard und ich waren gestern schon nach vier, fünf Kilometern aber so was von kaputt, dass wir im Taxi auf der Rückfahrt wegnickten und im Hotel noch ein Mittagsschläfchen zwischen vier und halb fünf dranhängten.

Deshalb Hut ab vor den 42 Geherinnen, die frühmorgens ins Ziel kamen. Angeführt von Liu Hong und Lu Xiuzhi, die Seit’ an Seit’ über die Ziellinie schritten – nach knapp eineinhalb Stunden. Sie bescherten China den ersten Titel und eben diesen Doppelsieg der besonderen Art. Was ich besonders witzig fand, und das schon, als wir in der Nacht davor über das Marathontor das Stadion verließen, waren die Weihnachtssterne, die zuhauf Spalier standen.

Zhao, Qian, Sun, Li, Zhou, Wu, Zheng, Wang das sind die häufigsten chinesischen Nachnamen. Wie Müller, Meier, Schmidt bei uns. Bis auf wenige Ausnahmen sind sie einsilbig und stehen vor dem Vornamen. Immer. Also Mao Zedong oder Deng Xiaoping oder, so heißt der heutige Staatspräsident, Xi Jinping. Ich muss ja immer schmunzeln, wenn sich bei uns in der Pfalz einer meldet mit „Krüger Josef“ oder so. Das scheint eine westpfälzische Eigenart zu sein, sagt mir mein Gefühl, gibt’s aber auch in anderen Mundarten. Bernhard und ich laufen nie Seit’ an Seit’ wie Hong und Xiuzhi. Einer geht immer voran, mal der, mal der. Kommt darauf an, was wir suchen. Einen Tempel oder einen Kiosk, eine Toilette oder ein Fotomotiv. Krach gibt’s deswegen nie, wir sind uns ja sooo einig in diesen Tagen. Kleine Marotten (ich schnarche, er wäscht öfter und belagert die Badewanne) haken wir einfach ab.

Wir waren also mal wieder für drei Stunden unterwegs. Im Beihai-Park und im Jingshan-Park, auch Kohlehügel genannt, der direkt neben der Verbotenen Stadt liegt. Einst lagerte hier die Kohle, mit der der Kaiserpalast beheizt wurde. Für beide muss man einen kleinen Eintritt bezahlen. Idylle pur war das, aber wie dumm kann man denn nur sein, nicht auf den kleinen Berg hochzugehen. Wir waren faul und haben den schönsten Einblick in den Verbotene Stadt verpasst. Aber wir haben auf einer Bank Platz genommen und zwei Ehepaaren zugeschaut, wie sie äußerst gekonnt den Jianzi-Federball kickten.

Diese hoch entwickelte und rasant gewachsene Stadt der Gegensätze – Hochhäuser und Hutongs, Verkehrsstau und Parkidylle, hektisch und verträumt, Moderne und Tradition. Wir waren in einer kleinen Einkaufsstraße und wurden, nachdem wir Teetässchen aussuchten, feilschten und bezahlten, vom geschäftstüchtigen Besitzer zu einer kleinen Teezeremonie eingeladen. Was bedeutete, dass wir auch noch Tee dazukauften. Weil er richtig gut war.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
22.–30.08.2015 Weltmeisterschaften 2015 Peking (China)