Kennen Sie das, wenn es nicht wie geschmiert läuft und man vor Wut in die Tischkante beißen könnte? Phasenweise ging es mir gestern so, was zum einen damit zusammenhängt, dass China eben China ist und zum anderen alle erst einmal ihre Wege finden und ihre Nöte kennenlernen müssen. Aber: Bedürfnisse müssen wehtun, damit man andererseits aber auch spürt, wie gut man es hier und da hat. Klagen ist das eine, zufrieden sein dann das andere. Ist so, oder?

Der Reihe nach: Eine Stunde vor dem Frühstück habe ich gestern einen Bankautomaten gesucht, der mir endlich nicht mehr schreibt, dass meine Pinnummer falsch sei, sondern meine Visakarte für eine Minute frisst, mir ein paar dringend benötigte Yuan und dann auch wieder die Karte ausspuckt. Erleichtert habe ich die noch frische Luft und den blauen Himmel genießen können – und das vielfältige Frühstück.

Nächstes Dilemma: Das W-Lan im Hotel stürzt eigentlich nur noch zusammen. Weiß der Geier warum. Das ist für den Smartphonenutzer ein „No go“. Denn Facebook geht schon mal gar nicht, und jetzt auch WhatsApp nicht. Ehrlich, da ist man ja nur noch ein halber Mensch, und das sagt einer mit bald 60. Immerhin: Die Kollegen lassen wenigstens mal beim Frühstück ihre Tablets links liegen und widmen sich einem mit ganzer Aufmerksamkeit.

Nächster Ärger: Offenbar verkauft nur eine einzige China-Mobile-Filiale im Umkreis von fünf Kilometern eine Sim-Karte. Mühevoll den Taxifahrer dorthin gelenkt, 13 Yuan bezahlt, und was war? Eine Schlange, die sich in der nächsten Stunde sicher nicht aufgelöst hätte. Aber da rief ja schon die deutsche Mannschaft mit ihrer Auftaktpressekonferenz.

Und ich wusste ja nicht, wie schnell man dorthin kommt. Ich fuhr also immer noch ohne chinesische Telefonnummer (die man braucht, um nicht mit deutschem Netz umgehend arm zu werden) wieder los und probiere es Samstag früh eben noch mal.

Zu meiner Überraschung kam ich schnell durch, denn der Verkehr wurde tatsächlich, wie schon 2008 bei den Olympischen Spielen, halbiert. Gestern, am 21. des Monats August, durften nur die Autos mit ungeradem Kennzeichen fahren. Sehr angenehm. Und: Die Gespräche im Hotel des deutschen Teams waren allesamt sehr erfreulich.

Nächster Ärger: meine E-Mail-Adresse wurde gesperrt, zumindest das Verschicken meiner E-Mails, weil irgendwer einen Angriff auf meine Adresse unternahm, hieß es. Kruzifix, was ist denn das?

Da sind solche Kleinigkeiten wie der weite Weg zur offenbar einzigen Männertoilette im Umkreis des Pressezentrums im Stadion oder die immer noch nicht erfolgreiche Suche nach etwas Essbarem oder der lauwarme Nescafé im Pappbecher sogar noch leicht hinzunehmen. Zwar haben die Chinesen gute Restaurants mit köstlichem Essen, wie ich an zwei Abenden schon erfahren habe, aber die Rundumversorgung im „Vogelnest“ lässt wirklich noch arg zu wünschen übrig.

Aber wie gesagt, ich will ja nicht klagen. Ich bin bei bester Gesundheit, was ich von Bernhard Kunz nicht gerade behaupten kann, weil er sich immer noch nach seinem Magen-Darm-Virus dahinschleppt.

Ich freue mich wirklich, wenn es heute endlich losgeht. Denn es geht nichts über einen geregelten Zeitplan, den einem die Wettkampftage versprechen.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
22.–30.08.2015 Weltmeisterschaften 2015 Peking (China)