Christin Hussong hat den Sprung zu den Aktiven im vergangenen Jahr bravourös gemeistert. In diesem Jahr will sie bei der U23-EM ein Wörtchen um den Titel mitreden. Ganz abgeschrieben hat die LAZ-Speerwerferin auch eine Teilnahme an der Aktiven-WM in Peking nicht.

Zweibrücken. Christin Hussong wirkt locker. Auch das straffe Trainingsprogramm im Winter kann ihr die Laune nicht verderben. Die 20-Jährige hat dazu aber auch keinen Grund. Sieht sie den Lohn ihrer Arbeit doch klar vor ihren Augen. Zum Jahresauftakt hat die Speerwerferin des LAZ Zweibrücken bei der Teamwoche des Deutschen Leichtathletikverbands (DLV) in Kienbaum gleich wieder einen Wurf über 60 Meter herausgehauen (60,69 m). Sich damit für den Winterwurf-Eurocup Anfang März im portugiesischen Leiria qualifiziert. Einer der seltenen Wettkämpfe der Werfer in der kälteren Jahreszeit.

Vorbereitung in Portugal

„Wir bereiten uns ja den gesamten Winter über auf die Sommerwettkämpfe vor. Anders als etwa die Stabhochspringer, die im Jahresverlauf in zweigeteilter Periodisierung trainieren“, erklärt Christin Hussong. Neben dem Krafttraining absolviere sie aber auch jetzt schon sehr viele Würfe. Ob zuhause mit Vater und Trainer Udo Hussong oder wie ab dem 25. Februar mit dem DLV-Team im Trainingslager in Portugal. Dabei hat die 20-Jährige bereits bewiesen, dass sie die gute Form aus dem alten Jahr mitgenommen hat.

Diese zu konservieren, ist das Minimalziel der Herschbergerin. Eben konstant über die 60Meter-Marke zu werfen. „Natürlich lieber noch weiter – vielleicht gelingt ja wieder so ein Ausreißer nach oben“, sagt sie lachend. Einer wie im vergangenen Juli in Luzern. Die 63,34 Meter bedeuteten eine Steigerung der Bestmarke um über drei Meter und die Norm für die EM in Zürich. Von ihrem ersten Start bei einer Aktivenmeisterschaft habe Christin Hussong viel mitnehmen können. „Ich bin auch rückblickend super zufrieden mit dem, wie es gelaufen ist. Auch wenn es im Finale dann ‚nur‘ ein 59er Wurf war, war es für mich mit Platz sieben ein voller Erfolg.“ Wenn man gemeinsam mit den besten Athleten der Welt – „die es bei uns bei der EM eben auch sind“ – unten im Stadion steht, die Zuschauer, die vielen Kameras sieht, sei das etwas ganz Besonderes. „Da war ich schon aufgeregt. Aber für diese Erfahrung bin ich super dankbar“, blickt die LAZ-Athletin zurück. Und weiß nun, „dass auch die besten Konkurrentinnen nur mit Wasser kochen. Es sind alles Menschen, mit denen man normal reden kann.“ Die Aufregung sei da gar nicht nötig gewesen. „Ich weiß nun, was ich kann, dass ich mich auch vor den Großen nicht verstecken muss und keine zwei Ligen schlechter bin.“

U23-EM im Blick, WM im Kopf

In diesem Jahr zielt die Planung der Saison allerdings nicht darauf ab, im Konzert der ganz großen mitzuspielen, sondern bei der U23-Europameisterschaft im Juli in Tallinn (Estland) weit vorne zu landen. „Das ist das vorrangige Ziel, darauf bereite ich mich vor“, erklärt die 20-Jährige. Die Chancen dazu stehen gut. Im vergangenen Jahr war Hussong mit den 63,34 Metern die beste der europäischen Rangliste bei der U23. „Aber es gibt viele Athletinnen, die in diese Bereiche werfen können. Ein Platz unter den ersten fünf sollte aber drin sein, wenn ich gesund bleibe und alles weiter so gut läuft.“ Und im Hinterkopf schwebt doch auch die Hoffnung herum, bei einem weiteren Großereignis der Aktiven Erfahrungen sammeln zu dürfen. „Die Norm für die WM in Peking Ende August könnte bei 61,5 Metern liegen. Das ist eine Weite, die ich schaffen kann“, schielt Hussong auf ihre Möglichkeiten. Doch die Speerwurfkonkurrenz in Deutschland ist stark mit Linda Stahl, Katharina Molitor und der Rückkehrerin nach der Babypause, Weltmeisterin Christina Obergföll. „Was ihr zuzutrauen ist, ist schwer zu sagen. Bei der Teamwoche hat Christina noch nicht mitgeworfen. Aber als Weltmeisterin ist sie in Peking ja auf jeden Fall dabei. Sie hat Zeit, sich in aller Ruhe darauf vorzubereiten. Aber ich stelle es mir nicht so einfach vor, wenn man ein Jahr raus war“, erklärt die Studentin. Was Hussongs Chancen auf eine Teilnahme erhöht: „Neben der Weltmeisterin darf der DLV drei weitere Werferinnen zur WM schicken.“ Christin Hussong dürfte keine schlechten Karten haben. „Die WM-Teilnahme wäre ein Traum – aber zunächst kommt die U23-EM“, betont die Herschbergerin.

Und zu allererst geht es nun ins Trainingslager nach Portugal. Gemeinsam mit ihren Nationalmannschaftskolleginnen Molitor und Stahl (beide Bayer Leverkusen) fährt die 20-Jährige dann mit dem Auto zur Winterwurf-Europacup vom 14. und 15. März in Leiria. Dort wirft die LAZ-Athletin bei der U23, da das auch die Konkurrenz ist, auf die sie im Sommer bei der EM treffen wird. „Dann werden wir sehen, was geht“, sagt Christin Hussong mit einem leisen Lachen.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
09.–12.07.2015 U23-Europameisterschaften 2015 Tallinn (Estland)