Mit nahezu allen Stars wie David Storl und Raphael Holzdeppe treten die deutschen Leichtathleten bei der Team-EM am Wochenende in Tscheboksary zur Titelverteidigung an. Wie stark ist Gastgeber Russland?

Tscheboksary. Der noch verletzte Robert Harting fehlt, doch ansonsten ist dem Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) das Beste gerade gut genug: Mit den Weltmeistern David Storl, Raphael Holzdeppe und Christina Obergföll an der Spitze eines ganz starken Aufgebotes will der DLV bei der Team-Europameisterschaft an diesem Samstag und Sonntag (jeweils 14 Uhr/ZDF und Eurosport) im russischen Tscheboxari seinen im Vorjahr in Braunschweig gewonnenen Titel verteidigen.

Vetter im Speerwurf dabei

DLV-Cheftrainer Idriss Gonschinska spielt allerdings den Star-Faktor in seiner Mannschaft bewusst herunter. „Das Team steht im Fokus, nicht die einzelnen Athleten“, sagt der 46-Jährige: „Wir haben versucht, eine gute Symbiose aus arrivierten Leistungsträgern und aufstrebenden Athleten zu nominieren.“

Dennoch: Beim großen Härtetest gut zwei Monate vor der WM in Peking (22. bis 30. August) sind vor allem die Kugelstoß-Asse Storl und Christina Schwanitz sichere Siegkandidaten, neben Stab-Weltmeister Holzdeppe und der nach ihrer Babypause zu alter Form zurückfindenden SpeerwurfGröße Obergföll haben auch der stark verbesserte Sprinter Sven Knipphals, die deutsche Stab-Rekordlerin Silke Spiegelburg und Sieben-Meter-Springerin Sosthene Moguenara aus Saarbrücken beste Chancen auf die volle Punktzahl. Auch Saar-05-Speerwerfer Johannes Vetter kann positiv überraschen.

Die deutschen Schwächen sind indes altbekannt: Auf den Laufstrecken ab 400 Meter ist der DLV bei Frauen und Männern nur bedingt konkurrenzfähig. „Jeder einzelne Punkt und jede einzelne Platzierung kann am Ende den entscheidenden Unterschied ausmachen“, sagt Gonschinska und nimmt damit vor allem seine Mittelund Langstreckler in die Pflicht. Auf sie wird es ankommen, will der DLV auch ohne den nach seiner Knie-OP noch nicht wieder hergestellten Diskus-Riesen Harting, der Deutschland 2014 als Teamkapitän zum zweiten Titel nach 2009 geführt hatte, erneut das kontinentale Kräftemessen für sich entscheiden.

Russen außer Form

Gonschinska sieht neben den Briten, Franzosen und Polen vor allem Gastgeber Russland als schärfsten Konkurrenten um den Sieg. Allerdings stecken die Russen in der tiefsten Krise ihrer LeichtathletikGeschichte. Die Enthüllungen über systematisches Doping scheinen den Verband ins Mark getroffen zu haben, und Russlands Sportler haben – warum auch immer – seitdem geschlossen sämtliche Form verloren.

Vor dem ersten großen Auftritt nach den erschütternden Berichten über systematische Manipulation ist praktisch kein russischer Athlet in der Weltspitze zu finden. Der großen Leichtathletik-Nation droht die doppelte Pleite: Beim Heimspiel am Wochenende wie auch bei der Weltmeisterschaft in Peking bahnt sich ein historisches, medaillenloses Debakel an.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
20.–21.06.2015 Team-Europameisterschaften 2015 Cheboksary (Russland)