2010 wurde er U20-Weltmeister und „IAAF Rising Star“, 2011 holte er Gold bei der U23-EM. In den Jahren danach warfen Verletzungen am Ellenbogen sowie ein Muskelfaserriss Till Wöschler (LAZ Zweibrücken) aus der Bahn. Nach seinem Wechsel zu Helge Zöllkau hofft der passionierte Angler nun auf den großen Fang.

Werfer haben es im Winter oft nicht leicht. Anders als Sprinter, Springer und Läufer haben sie in der kalten Jahreszeit keine Wettkämpfe, die Abwechslung in den Trainingsalltag bringen könnten. Stattdessen wird wochenlang Kraft gebolzt und der immer gleiche Ablauf geübt.

Für Speerwerfer Till Wöschler verlief der Winter in diesem Jahr jedoch ein wenig anders. Der 22-Jährige vom LAZ Zweibrücken absolvierte an der Deutschen Sporthochschule in Köln gleich neun Praxiskurse in einem Semester und versuchte sich unter anderem im Judo, beim Fechten und an Gymnastik und Tanz. Letzteres schloss er sogar mit der Note 1,7 ab. „Ein bisschen Körpergefühl habe ich schon“, sagt Wöschler. Sein Fazit: „Die Sportkurse waren eine gute Grundlage für den Sommer.“ Er sei fit für die Freiluftsaison.

Anknüpfen an Glanzzeiten

Dort will der gebürtige Saarbrücker endlich wieder an alte Glanzzeiten anknüpfen. 2010 und 2011 waren seine besten Jahre gewesen. Vor vier Jahren hatte Wöschler bei der U20-WM in Moncton (Kanada) die Goldmedaille gewonnen und mit 82,52 Metern den deutschen Jugendrekord von Matthias de Zordo (SC Magdeburg) um fast vier Meter übertroffen. Der Leichtathletik-Weltverband IAAF wählte ihn dafür zum Nachwuchsathleten des Jahres.

2011 steigerte sich der 1,95-Meter-Mann weiter und ließ den Speer bei seinem U23-EM-Sieg bis auf 84,38 Meter fliegen. Er wurde für die WM in Daegu (Südkorea) berücksichtigt, musste seinen Start jedoch wegen einer Ellenbogenverletzung nur einen Tag nach seiner Nominierung absagen.

Viele Rückschläge

Es war der Anfang einer langen Odyssee: „Ich konnte ein halbes Jahr nicht werfen, nicht einmal einen Tennisball“, erinnert sich Till Wöschler. Er kämpfte sich zurück, erlitt 2012 aber eine erneute Verletzung am Ellenbogen, die ihn die mögliche Teilnahme an den Olympischen Spielen in London (Großbritannien) kostete. Im vergangenen Jahr schließlich zog er sich bei den Deutschen Meisterschaften einen Muskelfaserriss zu. Der Flieger zur U23-EM hob ohne ihn ab.

Zu welcher Leistung er in Tampere (Finnland) imstande gewesen wäre, bleibt Spekulation. „Ich hatte 2013 auch einfach weniger drauf als die Jahre zuvor“, gibt Till Wöschler ehrlich zu. Im Frühjahr hatte er sein Sportstudium aufgenommen und wurde deshalb nur noch aus der Ferne von seinem Heimtrainer Matthias Brockelt betreut. Einmal in der Woche absolvierte er eine Technikeinheit in der Leverkusener Wurfgruppe von Coach Helge Zöllkau, ansonsten trainierte Wöschler fast nur allein. „Ich habe im vergangenen Jahr viel auf eigene Faust gemacht. Deshalb habe ich auch nicht so professionell trainiert wie zuvor“, sagt er.

Trennung von Matthias Brockelt

Auf Dauer war diese Lösung nicht tragbar. Vor einigen Monaten hat sich der 22-Jährige deshalb von Matthias Brockelt getrennt und sich vollständig in die Obhut von Helge Zöllkau begeben. Zu seinen Trainingskollegen zählen unter anderem Ex-Europameisterin Linda Stahl und die Olympia-Sechste Katharina Molitor (beide TSV Bayer 04 Leverkusen). „Ich brauche eine Gruppe um mich. Allein zu trainieren, ist nicht so mein Ding. Ich bin eher ein Teamplayer“, sagt Wöschler.

Er startet allerdings auch in Zukunft für das LAZ Zweibrücken – zumindest noch bis zum Ende des Jahres. Dann läuft sein Ausrüstervertrag bei Nike aus. In Leverkusen wird traditionell Adidas getragen. Man müsse schauen, wie sich die Sache entwickelt, meint Till Wöschler.

Auf den Ellenbogen achten

Die Chancen, dass die Formkurve bald wieder nach oben zeigt, stehen gut. Der DM-Fünfte hat auf Anraten von Helge Zöllkau seine Technik umgestellt. Sie schont jetzt stärker den Ellenbogen. Wöschler will auf diese Weise verhindern, dass das sensible Gelenk noch einmal in eine Position gerät, die es nicht aushält. Er ist überzeugt, dass die Verletzungen nicht daher rührten, dass sein Körper den Belastungen nicht standhält, sondern eine Folge falscher Technik waren. „Es war ja nichts Chronisches. Und der Ellenbogen ist bei Speerwerfern nun einmal anfällig, so wie der Beuger bei Sprintern.“

Aus dem kurzen Anlauf beherrsche er die Technik schon ganz gut, erzählt er. Den Feinschliff will er sich im Südafrika-Trainingslager ab dem 23. Februar holen, dem Ende April eine weitere Maßnahme in Kroatien folgen wird. Dort werden die Weichen für den EM-Sommer gestellt, in dem Till Wöschler beim Kampf um die drei Startplätze für Zürich (Schweiz) ein Wörtchen mitreden möchte.

Zwar betont er, dass der wichtigste Vorsatz für 2014 lautet gesund zu bleiben, doch er sagt auch: „Die Europameisterschaften müssen das Ziel sein. Wenn ich gesund bin und mein Leistungsvermögen abrufe, müsste ich normalerweise zu den drei besten Deutschen gehören.“ Im Vergleich mit Matthias de Zordo, Lars Hamann (Dresdner SC), Thomas Röhler und Bernhard Seifert (beide LC Jena) will er die Nase vorn haben. Das gilt im Stadion, aber auch am Fischteich. Denn sowohl Wöschler als auch Röhler und Seifert sind passionierte Angler, die in Kienbaum gerne zusammen die Leine auswerfen. Till Wöschler hofft, dass ihm 2014 auch im Speerwurf ein großer Fang gelingen wird.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
12.–17.08.2014 Europameisterschaften 2014 Zürich (Schweiz)
11.–14.07.2013 U23-Europameisterschaften 2013 Tampere (Finnland)
25.07.–12.08.2012 Olympische Sommerspiele 2012 London (England)
27.08.–04.09.2011 Weltmeisterschaften 2011 Daegu (Südkorea)
19.–25.07.2010 U23-Weltmeisterschaft 2010 Moncton (Kanada)