Zweibrücken. Die Themen, die die Verantwortlichen des LAZ Zweibrücken in den letzten Tagen vor dem siebten Himmelsstürmer-Cup der Stabhochspringer fast am meisten beschäftigten, waren die Stäbe und der Wind. Woher der heute beim Elite-Springen wohl weht, darüber philosophierten am Donnerstagnachmittag im Westpfalzstadion ausgiebig die Springer Raphael Holzdeppe, Daniel Clemens, Herren-Bundestrainer Andrei Tivontchik und die LAZ-Vorsitzenden Bernhard Brenner und Alexander Vieweg.

Diverse Wetter-Apps wurden untereinander rumgereicht und diskutiert, wie das wohl werden könnte mit dem Wind heute. Denn davon hängt einerseits ab, von welcher Seite auf der Stabhochsprunganlage gesprungen wird, oder ob sogar die Anlage in der Stadionkurve in Frage kommt. Was, wie Alexander Vieweg zu bedenken gibt, logistische Probleme mit sich bringen würde: „Wir müssten dann überlegen, wo wir die Essens- und Getränkestände hinstellen und ob das noch umgebaut werden kann.“

Das zweite Problem der Stabhochsprung-Gäste in Zweibrücken – die Einheimischen haben es in diesem Fall besser – ist häufig ihr Arbeitsgerät: der Stab. „Die Stäbe müssen normalerweise schon Wochen vorher als Cargo-Fracht bei den Fluggesellschaften aufgegeben werden und kommen nicht mit demselben Flieger an wie die Springer“, erklärt Bernhard Brenner. Will heißen: Der LAZ-Fahrdienst muss häufig zweimal nach Frankfurt zum Flughafen, einmal Springer abholen und danach die Stäbe. „Die Schwedin Angelica Bengtsson hat abgesagt, weil sie keinen Stabtransport organisieren konnte“, erläutert der LAZ-Chef. Und die Kanadierin Alysha Newman sagte verletzt ab. Brenner hat dafür am Donnerstag noch einen kurzfristigen Anruf bekommen, dass die Finninnen Wilma Murto und Minna Nikkanen gerne im Zehnerfeld mitspringen würden. „Deren Manager hat dann alle Hebel in Bewegung gesetzt, einen Flug für die beiden zu finden, der die Stäbe mitnimmt.“ Das hat geklappt: Murto und Nikkanen starten heute. Murto war 2016 beim Zweibrücker Hallen-Meeting U20-Weltrekord gesprungen, „da kamen die Stäbe erst eine Stunde vor dem Wettkampf hier an“, erinnert sich Brenner lachend.

In der Herrenkonkurrenz messen sich ab etwa 19 Uhr die drei LAZ-Sportler Raphael Holzdeppe, Daniel Clemens und Nico Fremgen mit elf Konkurrenten. Darunter sind alte Bekannte wie der Franzose Stanley Joseph, aber auch vier Finnen und erstmals zwei Chinesen und der Philippine Ernest Obiena. „Es ist ein sehr, sehr gutes Feld, ich freue mich auf mein Heimspringen“, sagt Holzdeppe. Auf dem Weg zur möglichen Heim-EM in Berlin (7. bis 12. August) fühlt er sich von Wettkampf zu Wettkampf besser. Zuletzt sprang er in Stockholm 5,66 Meter. „In meinem Körper ist alles gut. Nur mit den Höhen muss ich mich noch ein bisschen gedulden.“ Nach den Trainingseindrücken und den guten Wettkampfsprüngen schätzt der 28-Jährige aber, dass 5,80 Meter demnächst drin sind. „Es bleibt aber noch einiges zu tun, um die Form in Richtung Berlin aufzubauen“, sagt er. Das Meeting in Hof, die Diamond-League in Paris, dann der World-Cup in London und die deutschen Meisterschaften in Nürnberg – da stehen etliche Termine auf dem Zettel. Holzdeppe hofft, dass noch einige Deutsche die EM-Norm von 5,60 Meter knacken: „Ich finde, bei einer Heim-EM sollten auch alle drei möglichen Startplätze besetzt werden.“

Einer der Kandidaten dafür könnte sein Vereinskollege Daniel Clemens sein. „Ich fühle mich topfit, so wie 2016 vor meiner Fußverletzung“, sagt der 26-Jährige. Auch bei ihm fehlt derzeit noch die Höhe, 5,42 Meter stehen bisher zu Buche. „Aber ich habe eine gute Vorbereitung hinter mir und will endlich mal meine alte Bestleistung von 5,60 Meter aus dem Jahr 2013 knacken.“ Im Hinterkopf sei natürlich die Heim-EM, „so was will man schon gerne mitnehmen“. Zuletzt stellte der Mörsbacher seinen Anlauf etwas um. „Jetzt ist er aktiver und schneller, und ich kann härtere Stäbe springen“, sagt der Stabsunteroffizier bei der Sportfördergruppe.

Soldat ist derzeit auch der Petersberger Nico Fremgen, der unlängst seine Bestleistung auf 5,10 Meter steigerte und der als Belohnung im Elite-Feld starten darf. „Den 5,10-Meter-Sprung hab’ ich gesehen, da war noch ordentlich Luft“, sagt Brenner. „Der ist irgendwo im Osten Deutschlands stationiert und bringt auf seinem Heimweg gleich noch ein paar Athleten aus Frankfurt mit“, meint Vieweg lachend. Beide LAZ-Chefs freuen sich, dass sie trotz Konkurrenzveranstaltungen ein starkes Teilnehmerfeld verpflichten konnten.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
16.–17.06.2018 Himmelsstürmer-Cup 2018 Zweibrücken (Deutschland)