Mannheim. Es gibt so Tage, auch im Sport, da steht man besser nicht auf. Es gibt aber auch Sportlerinnen, die am Ende des Tages trotzdem das Lachen nicht verlernt haben. Anna Felzmann ist so eine, die am Samstag in Mannheim in einer kühlen, verregneten Stunde die ganz schwierige Seite des Stabhochsprungs durchlitt.

Zuerst zum Sportlichen: Die 24 Jahre alte Lehramtsstudentin in Sport und Deutsch in Saarbrücken belegte bei dem Einlagewettbewerb für Frauen innerhalb der U20-Junioren-Gala in Mannheim mit im ersten Versuch übersprungenen 4,15 Meter den dritten Platz. Da blies es schon kräftig, und der Regen setzte ein. 4,25 Meter riss sie dreimal, nach den 4,35 Metern von Annika Roloff und Anjuli Knäsche wurde der Wettbewerb abgebrochen. „Es war heute ein Glücksspiel mit dem Wetter, da hat der Gegenwind ganz schön die Stäbe runtergedrückt“, schilderte sie die unwirtlichen Bedingungen.

Dann packte sie ihre Klamotten zusammen und machte gute Miene zum bösen Spiel. Ihrer sommerlich bekleideten Schwester Johanna lieh sie erst mal ihre Jacke, weil diese zu frieren begann. Aber, so sagte Anna: „Johanna war heute meine mentale Stütze. Ich bin so dankbar, dass sie mit mir hierher fuhr.“ Denn davor, am späten Vormittag, kamen zwei Absagen – von Kristina Gadschiew und von ihrem neuen Trainer Alexander Gakstädter.

Anna Felzmann nannte es einen Horrortag, weil sie eigentlich am Tag zuvor nach Spanien hätte fliegen sollen zu einem Stabhochsprungwettbewerb in Bilbao. Sie flog nicht, weil es ein glattes Missverständnis zwischen ihr und ihrer Managerin gegeben hatte. „Ich habe sie komplett falsch verstanden. Ich dachte, das Meeting sei erst in vier Wochen im Juli“, sagte die Stambacherin und sprach von einer „sauteuren Aktion“.

Bei allem Pech: Die frühere Turnerin, die schon vor über zehn Jahren beim Stabhochsprung gelandet ist, nahm all den blöden Kram äußerlich gelassen hin, konnte darüber reden und einfach auch lachen. „Es gibt so Tage im Leben“, meinte sie.

Andere würden vielleicht daran denken, die Saison abzubrechen, weil es noch nicht wirklich vorangegangen ist. Anna Felzmann denkt an so etwas nicht. Niemals. Jetzt erst recht, sagt sie sich: „Ich bin eine Kämpfernatur. Ich will, ich muss. Die Saison war bei rund 70 Prozent Regensprüngen wirklich nicht gut, aber ich muss aufpassen, dass ich nicht aus dem Kader fliege.Ich springe bis zum Saisonende“.

Schon im letzten Jahr hatte sich die B-Kader-Athletin, die 2013 Siebte bei den U23-Europameisterschaften in Tampere und 2014 Deutsche U23-Meisterin gewesen war, durchgebissen und es letztlich bis zur Universiade gebracht. Ihre Bestleistung steht im Freien bei 4,40 Meter aus dem Vorjahr. In diesem Jahr ist, auch wegen des schlechten Wetters, eben noch nicht viel rumgekommen. 4,22 Meter hat sie stehen. Es ist also noch etwas Luft nach oben. Und sie weiß: Nach Horrortagen kommen auch wieder solche, an denen die Sonne scheint.

Gut beschirmt in Mannheim: RHEINPFALZ-Redakteur Klaus Kullmann (links) im Gespräch mit den Schwestern Anna und Johanna (rechts) Felzmann.
Gut beschirmt in Mannheim: RHEINPFALZ-Redakteur Klaus Kullmann (links) im Gespräch mit den Schwestern Anna und Johanna (rechts) Felzmann. (Foto: Kunz)