Jahresbilanzen überfluten uns so kurz bevor das letzte Kalenderblatt von der Wand gerissen wird. Auch Sportler und Vereine werfen einen Blick zurück. Zeit, sich zu besinnen, Bilanz oder ein erstes Zwischenfazit der angebrochenen Saison zu ziehen. Tief in den Erinnerungen muss ich nicht kramen, um die beherrschenden Sportthemen in Zweibrücken ins Gedächtnis zu bekommen.

Die turbulente zweite Regionalliga-Saison des SVN Zweibrücken schießt gleich in den Kopf. Kaum ein Stammtisch, kaum ein Gespräch mit Sportlern bei Begegnungen in der Stadt, ohne, dass die Blau-Weißen zum Thema werden. Überlebt der Verein, wie lange noch, welche Spieler gehen, haben die Auerbacher im Januar überhaupt noch elf Mann beisammen? Die Gerüchteküche brodelt. Der Insolvenz ist der SVN um den Vorsitzenden Richard Denger knapp entronnen, Ruhe hat das noch lange nicht bedeutet. Nach sieben Jahren mit Trainer Peter Rubeck auf der Bank hat dort mit Guido Hoffmann – nach dem kurzen Gastspiel von Adis Herceg – der zweite neue Mann Platz genommen. Der ehemalige Fußball-Profi steht vor der Herausforderung, mit ganz kleinem Budget eine neue Mannschaft aufzubauen, die noch konkurrenzfähig ist. Finanziell muss jongliert werden, um über die Spielzeit zu kommen. Von Ruhe ist in der besinnlichen Weihnachtszeit bei den Verantwortlichen um Richard Denger nichts zu spüren. Ebendiese wäre sicher einer der größten Wünsche für das neue Jahr, hätte der SVN-Vorsitzende einen frei.

Dürfte es sich der Handball-Drittligist SV 64 Zweibrücken aussuchen, er würde sich – ganz im Gegensatz zum SVN – für 2015 ein Abbild des ablaufenden Jahres wünschen. So erfolgreich wie im Jubiläumsjahr war der Verein nie zuvor. Männer und Frauen gewannen den Saarlandpokal. Der emotionalste Augenblick der Oberligarunde der Herren: Das Team von Trainer Stefan Bullacher, der in seiner 20. Saison beim SV 64 im Amt ist, machte erst in den letzten Minuten der Saison die Meisterschaft und damit den Wiederaufstieg in Liga drei perfekt.

Dort hat sich der SV 64 im Mittelfeld festgesetzt, kommt mit seiner jungen Truppe deutlich besser zurecht als nach dem ersten Aufstieg vor zwei Jahren. Eine tolle Runde spielen zudem die A-Junioren nach ihrer Quali für die Bundesliga, als derzeit Sechster haben sie gute Chancen auch im kommenden Jahr in dieser Klasse aufzulaufen. Der SV 64 Zweibrücken beweist, dass Mut gedankt wird. Zwar stößt der Verein in logistischer, finanzieller und zeitlicher Hinsicht an seine Grenzen, doch er hat sich den Anforderungen gestellt. Der sportliche Erfolg sowie das Interesse junger Talente, das Trikot für den SV 64 überzustreifen, sind der Lohn.

Belohnt für ihre seit Jahren akribische Trainingsarbeit wurde in diesem Jahr auch Ausnahmeschwimmerin Marlene Hüther. Die 16-jährige Athletin der Wassersportfreunde Zweibrücken stieß bei den Kurzbahn-Meisterschaften in die deutsche Spitze vor, durfte aufgrund ihrer Top-Zeiten mit zur Weltmeisterschaft nach Doha. Ein wichtiger Schritt in Richtung Langbahn-WM 2015 und Olympia 2016 in Rio – das große Ziel Hüthers.

Ebenfalls den nahtlosen Anschluss zu den Aktiven hat LAZ-Speerwerferin Christin Hussong geschafft. Ambitioniert erschien ihr Anfang des Jahres formuliertes Ziel: EM-Teilnahme. Doch mit ihrem fulminanten Wurf auf 63,34 Meter war die Norm perfekt. So waren es nicht die Stabhochspringer, die in diesem Jahr für Schlagzeilen des Zweibrücker Bundesleistungszentrum sorgten, sondern Hussong mit ihrem siebten Platz in Zürich.

Obwohl der SVN Zweibrücken sicher den längsten Weg vor sich hat, an die zurückliegenden guten Jahre anzuknüpfen, heißt es jedoch auch für die erfolgreichen Athleten, sich nicht auf dem Erreichten auszuruhen. Um Sport auf Spitzenniveau betreiben zu können, muss jedes Zahnrad wie in einem gigantischen Uhrwerk ineinandergreifen. Der Erfolg kommt nicht von selbst. Wer dies im neuen Jahr am besten umsetzen kann, ist offen. Klar ist, dass es in der Sportstadt Zweibrücken auch 2015 sicher nicht langweilig wird.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
12.–17.08.2014 Europameisterschaften 2014 Zürich (Schweiz)