Berlin. Sprintkönigin Verena Sailer feierte beim Istaf in Berlin einen emotionalen Abschied, die deutschen Leichtathleten überzeugten auch bei fiesem Wetter.

Eine Woche nach den Titelkämpfen in Peking erlebten die Weltmeisterinnen Christina Schwanitz und Katharina Molitor in Berlin eine herzliche Willkommensparty – hatten zum Ende einer anstrengenden Saison aber mit Kälte und Wind zu kämpfen. Deutsche Siege gab es im Olympiastadion durch Schwanitz und Hammerwerferin Kathrin Klaas.

Für die ehemalige 100-Meter-Europameisterin Sailer war das größte Eintagesmeeting der Welt die Abschiedsvorstellung. Am Samstag hatte die 29-Jährige überraschend ihren Rücktritt angekündigt. Der Deutsche Leichtathletik-Verband verliert damit die erfolgreichste Sprinterin der vergangenen Jahre. Sailer kam in ihrem letzten Rennen in 11,37 Sekunden als Fünfte ins Ziel – und musste sich anstrengen, „nicht loszuheulen“. Mit einer Ehrenrunde zu „Time to say Goodbye“ verabschiedete sie sich in den Sport-Ruhestand. „Es war sehr emotional“, sagte Sailer. Ein 45-sekündiger Einspielfilm zeigte auf der Anzeigetafel noch einmal die Höhepunkte ihrer Laufbahn, natürlich inklusive ihres EM-Goldes 2010 in Barcelona und Bronze in der Staffel bei der Heim-WM 2009 in Berlin.

Beim vom Winde verwehten, hochklassig besetzten Stabhochsprung-Wettbewerb kam der WM-Zweite Raphael Holzdeppe mit 5,44 Meter auf Platz fünf, Kugelstoßer David Storl verpasste erstmals seit 2012 wieder einen Istaf-Sieg, doch die gute Stimmung im Olympiastadion störte dies nur am Rande. Alle anwesenden sieben der acht deutschen Medaillengewinner von Peking wurden schon bei der Begrüßungsrunde ausgiebig gefeiert. Für Diskus-Weltmeister Robert Harting blieb in seinem „Wohnzimmer“ Olympiastadion in diesem Jahr nur die Rolle als Zuschauer. Nach zuletzt fünf Istaf-Siegen in Serie verzichtete der 30-Jährige in diesem Jahr auf den Start. Ein Jahr nach seinem Kreuzbandriss war das Verletzungsrisiko noch zu groß. Sein Nachfolger wurde wie bei der WM der Pole Piotr Malachowski (66,13) vor Roberts Bruder Christoph Harting (65,15).

Zum Auftakt hatten die deutschen Weltmeisterinnen Schwanitz (Kugelstoßen/LV Erzgebirge) und Molitor (Speerwurf/Leverkusen) gleich die Plätze eins und zwei belegt. Molitor kam auf 61,19 Meter, Schwanitz gewann mit 19,66 Metern und erreichte ihren dritten Sieg innerhalb von vier Tagen. Die 29-Jährige hatte bereits am Donnerstag das Diamond-League-Finale in Zürich und zudem die Gesamtwertung der Meeting-Serie gewonnen. Am Freitag entschied sie auch die Konkurrenz beim Thumer Werfertag für sich. An ihre Jahresweltbestleistung von 20,77 Meter kam Schwanitz aber nicht mehr heran. „Man kann nicht immer 20 Meter stoßen. Der Wille ist da, aber die Luft ist ein bisschen raus“, sagte die Welt- und Europameisterin. „21 Meter wären schon mal geil.“ Dafür waren die Bedingungen im Berliner Olympiastadion aber nicht optimal. „Der Ring war verdammt glatt. Man hatte Angst, sich wehzutun.“

Gesa Felicitas Krause (Frankfurt), Überraschungsdritte in Peking über 3000 Meter Hindernis, zeigte auch in Berlin ihre Topform. Die 23-Jährige stellte als Dritte in 6:04,20 Minuten eine deutsche Bestzeit über die nicht-olympische 2000-Meter-Hindernisdistanz auf. Cindy Roleder, über 100 Meter Hürden bei der WM überraschend mit Silber dekoriert, wurde in ihrem Rennen Vierte. Die deutsche 800-Meter-Meisterin Fabienne Kohlmann belegte in persönlicher Bestzeit von 1:58,34 Minuten Rang zwei.

Beim Stabhochsprung-Sieg des WM-Dritten Piotr Lisek (Polen/5,74) kam auch Olympiasieger und Weltrekordler Renaud Lavillenie (Frankreich) nicht mit den Bedingungen zurecht. Nach zwei Fehlversuchen über 5,54 Meter riss er auch 5,64 und blieb ohne gültigen Sprung.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
06.09.2015 ISTAF 2015 Berlin (Deutschland)