Bydgoszcz. Nach dem Ausscheiden saß Oleg Zernikel (ASV Landau) minutenlang auf der Bank an der Stabhochsprung-Anlage und war ganz in sich gekehrt. Er hatte sich gestern Abend bei der U23-EM in Bydgoszcz mehr vorgenommen als 5,40 Meter und Platz fünf.

Eine Medaille war für ihn greifbar. Denn Bronze gab’s schon mit 5,50 Metern für den Spanier Adrian Valles, Gold und Silber gingen an die höhengleichen Ben Broeders (Belgien) und Axel Chapelle (Frankreich). Beide übersprangen 5,60 Meter.

So ordnete der 22-Jährige denWettkampf vor denAugen seines Heimtrainers Jochen Wetter unter „Erfahrung sammeln“ ein. „Der Start für mich war hier nach einem schwierigen Jahr 2016 sehr wichtig. Ich springe andere LEICHTATHLETIK: Konstanze Klosterhalfen gewinnt U23-EM-Gold in Bydgoszcz Stäbe, habe denAnlauf verlängert. Das braucht seine Zeit in der Umsetzung“, sagte Oleg Zernikel. Pech hatte er bei seinen drei Versuchen über 5,50 Meter. In der Zielkurve wechselten die Winde ständig. „Leider hatte ich dreimal Gegenwind. Da ich ohnehin Probleme habe, den Stab nach vorn zu bewegen, ist Gegenwind natürlich nicht hilfreich“, erklärte der Landauer.

Gern hätte er gestern diese Höhe noch genommen. „Mein Ziel ist es, 5,60 Meter zu probieren. Es muss nicht gleich klappen. Aber ich will wenigstens abspringen und die Höhe antesten“, sagte Zernikel. Er sei sich sicher, dass noch großes Potenzial in ihm schlummere. Zeigen konnte er das noch nicht. Doch Oleg Zernikel könnte eine feste Größe in der deutschen Stabhochsprung-Szene werden.

Sina Mayer (LAZ Zweibrücken) verpasste am Schlusstag der U23-EM die mögliche zweite Medaille nach Bronze über 100 Meter am Freitag. Über 4x100 Meter zählte die deutsche Staffel mit Sina Mayer am Start zu den Favoritinnen. Doch im Finale war das DLV-Quartett gar nicht dabei. Schon der erste Wechsel im Vorlauf von Sina Mayer (LAZ Zweibrücken) auf LisaMarie Kwayie (Neuköllner SF) ging daneben. „Ich habe noch langsam, langsam gerufen. Aber da war es schon zu spät“, sagte Sina Mayer.

Bitter war das Aus für Jessica-Bianca Wessolly (MTG Mannheim) und Chantal Butzek (LC Paderborn) auf den Positionen drei und vier. Sie liefen keinen Wettkampfmeter bei dieser U23-EM. Noch bitterer: Nur sieben Staffeln brachten den Stab um die Runde und erreichten das Finale, da auch die Britinnen nicht ins Ziel kamen und die Tschechinnen disqualifiziert wurden. „Wir sind ein Team, wir gewinnen zusammen und verlieren zusammen. Dass wir es besser können, haben wir oft genug bewiesen“, sagte Chantal Butzek.

Insgesamt gewannen die deutschen Starter an den vier EM-Tagen 18 Medaillen, darunter vier goldene durch die 1500-Meter-Läufer Marius Probst (TV Wattenscheid 01) und Konstanze Klosterhalfen (TSV Bayer 04 Leverkusen), die 4x100-Meter-Staffel der Männer und Diskuswerferin Claudine Vita (SC Neubrandenburg). Hannah Mergenthaler (MTG Mannheim) gewann mit der 4x400-m-Staffel Silber hinter Polen.

Wenig Freude über Edelmetall kam bei Max Heß (LAC Erdgas Chemnitz) auf. Der Dreisprung-Europameister in der Männer-Klasse musste sich am Schlusstag mit 16,68 Metern und Bronze begnügen. „Heute bin ich wahrscheinlich der traurigste Medaillengewinner“, sagte der 21-Jährige. Er zählt wie Konstanze Klosterhalfen und Hannah Mergenthaler zum deutschen Team für die WM in London, die am 4. August beginnt.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
13.–16.07.2017 U23-Europameisterschaften 2017 Bydgoszcz (Polen)