Alle zwei Jahre finden Weltmeisterschaften statt. Für den Zweibrücker Sportler Raphael Holzdeppe sind die Titelkämpfe in Doha bereits seine fünften – über einen Zeitraum von zehn Jahren. In dieser langen Saison hat sich der Stabhochspringer und aktuelle Deutsche Meister ein bisschen neu erfunden. Ein Faktor dabei: die Ernährung.

Zweibrücken. Am Donnerstag hat sich Raphael Holzdeppe in der Türkei in den Flieger gesetzt. Ziel Doha/Katar und die Weltmeisterschaft der Leichtathleten. Am 21. September hatte sich der Stabhochspringer schon mal zum Flughafen nach Köln aufgemacht, damals ging’s noch zum abschließenden Trainingslager der deutschen Nationalmannschaft im türkischen Belek. Während sich das Wetter in Deutschland zwischenzeitlich in Richtung grau, trist, trüb entwickelt hat, hat sich Holzdeppe zusammen mit seinem Vereinsund Herren-Bundestrainer Andrei Tivontchik dort bei angenehmen bis zu 30 Grad den letzten Feinschliff für die WM geben lassen. „Mein Wetter, ich mag das so“, meint dazu der entspannte Holzdeppe im Gespräch vor seiner letzten Trainingseinheit im Zweibrücker Westpfalzstadion.

Lufthansa ohne Stäbe

Aber warum von Köln aus in die Türkei? Sonst hatte der deutsche Leichtathletik-Pulk doch immer von Frankfurt aus abgehoben. „Tja, seit 1. April nimmt die Lufthansa keine Stabhochsprungstäbe mehr mit, daher musste ich von Köln aus mit einer anderen Fluglinie fliegen“, erklärt Holzdeppe. Das sportliche Material von A nach B zu bringen, verursache seitdem deutlich mehr Probleme logistischer Art. Auch für seine bekannten Disziplinkollegen aus anderen Ländern, wie den Franzosen Renaud Lavillenie oder den Polen Piotr Lisek. Die haben mittlerweile ebenfalls größere Anfahrtwege von ihren Trainingsstandorten zu den Flughäfen.

Eine Saison wie schon lange nicht

Das Training in Belek haben Holzdeppe und sein Coach relativ einfach gestaltet. „Es stand nur noch einmal Springen auf dem Plan“, sagt Holzdeppe. „Kurz und knackig“ sollte das Training in dieser Woche gehalten werden, mit Laufen und Krafttraining. „Das Ziel war auch, die Ruhe zu finden und sich vom Kopf her auf die WM vorzubereiten. Und natürlich die gute Form von Belek nach Doha mitzunehmen“, unterstreicht der Wahl-Saarbrücker.

Dass die Form klasse ist, davon sind beide überzeugt – trotz der sehr langen Saison mit der späten Weltmeisterschaft erst Anfang Oktober. Normalerweise sind die Leichathleten zu dieser Jahreszeit längst im Urlaub und dann in der Pause. „Es ist schon ein paar Jährchen her, dass ich verletzungsfrei bis September durch die Saison gekommen bin. Das ist ein gutes Gefühl. Auch, dass es einfach immer noch funktioniert“, meint Holzdeppe, schon fast etwas nachdenklich. Aber Holzdeppe und Tivontchik hatten die lange Saison eben von Anfang an auch besonders gut und intensiv geplant. „Bei den deutschen Meisterschaften in Berlin war es mit dem Titel ein guter Wettkampf, auch wenn ich noch nicht bei 100 Prozent war“, verdeutlicht Holzdeppe, dessen Saisonbestleistung bei 5,80 Meter (Leverkusen) liegt.

„Jetzt sind wir aber bei den 100 Prozent, die wir haben wollten“, meint er selbstbewusst. Dazu haben aus seiner Sicht auch eine Umstellung bei den Dehn- und Mobilitätsübungen beigetragen – und eine ziemlich radikale Ernährungsumstellung. Während den Wettkampfphasen verzichtet Holzdeppe seit Oktober 2018 nämlich ganz auf raffinierten Zucker. „Als ich zu Beginn sechs Kilo abgenommen habe, war Andrei ein bisschen skeptisch.“ Das habe sich aber wieder bei einem neuen Wert wieder eingependelt. 74, 75 Kilogramm sind jetzt sein Kampfgewicht, früher waren es 77, 78. „Ich fühle mich wohl damit“, sagt Holzdeppe. Und ansonsten vermeldet er in Sachen WM: Ziel erreicht. „Ich kann topfit antreten.“

Qualifikation zum 30. Geburtstag

Wenn Raphael Holzdeppe am Samstag um 17.30 Uhr (16.30 Uhr deutscher Zeit) in Doha seine Stäbe für die Qualifikation auspackt, wird er 30 Jahre alt. „Es ist ein besonderer Geburtstag, da muss ich die Quali schon packen. Sonst werde ich immer negative Erinnerungen an diesen runden Geburtstag haben“, versetzt er lachend. Im Übrigen sind es bereits seine fünften Weltmeisterschaften. „Das hat mir aber erst ein Reporter sagen müssen, ich hätte das nicht gewusst. Ich führe da nicht Buch drüber wie früher Björn Otto, mit seiner Excel-Tabelle und allen seine je gemachten Wettkämpfen.“ Bei den Olympischen Spielen hätte er es genauer gewusst, Tokio 2020 könnten seine vierten sein.

Dass der 30. ein besonderer Geburtstag für ihn ist, gibt er zu. „Mit 20 Jahren hätte ich nicht gedacht, dass ich über zehn bis 15 Jahre Profisport betreiben kann.“ Wenn der Körper mitspielt, kann er sich aber vorstellen, noch bis Olympia 2024 in Paris weiterzumachen. Ist ja auch quasi vor der Haustür. Nebenbei will er sein Fernstudium in Marketing forcieren, bis dann vielleicht seinen Bachelor in der Tasche haben.

Doha: die Bestmarke angreifen

„Ich bin sicher nicht mehr hyperaktiv, aber aufgeregt auf jeden Fall. Die nötige Grundspannung ist da, aber ich weiß ja, was auf mich zukommt“, stellte Holzdeppe vor seiner fünften WM-Teilnahme – 2013 in Moskau wurde er Weltmeister – fest. „In die Top Fünf möchte ich kommen. Das wird aber sehr schwer“, sagte er angesichts der breiten Weltspitze, die auch das starke EM-Finale 2018 in Berlin gezeigt hat. „Wenn der Wind mitspielt, kann es in Doha auch in der Breite hoch hinausgehen“, glaubt er. Auch von sich selbst: „Ich sollte schon in Richtung persönliche Bestleistung springen können oder noch zwei Zentimeter mehr.“ Und die liegt bei starken 5,94 Meter. Die Hitze in Doha macht ihm indes nichts aus, die Wettkämpfe steigen abends, und das Stadion ist wohl mit großen Turbinen klimatisiert. „Mal sehen, wie das wird. Damit müssen aber alle zurechtkommen. Ich lasse mich überraschen.“

Einen Salto vor Freude würde Holzdeppe am liebsten auch in Doha bei den Weltmeisterschaften schlagen.
Einen Salto vor Freude würde Holzdeppe am liebsten auch in Doha bei den Weltmeisterschaften schlagen. (Foto: Kunz)
Bei den deutschen Meisterschaften klappte es für Raphael Holzdeppe endlich auch mal im Berliner Olympiastadion: Er holte Anfang August den Titel.
Bei den deutschen Meisterschaften klappte es für Raphael Holzdeppe endlich auch mal im Berliner Olympiastadion: Er holte Anfang August den Titel. (Foto: Kunz)

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
27.09.–06.10.2019 Weltmeisterschaften 2019 Doha (Katar)