Zürich. Platz vier in einem Weltklassefeld beim Finale der Diamond League – das ist garantiert nicht schlecht. Christin Hussong, die Speerwurf-Europameisterin aus Herschberg, die für das LAZ Zweibücken wirft, blieb damit allerdings etwas hinter ihren Erwartungen zurück. Die Beine wollten nicht so wie der Kopf, deshalb reichte es im Züricher Letzigrund zu nicht mehr als 62,81 Metern und 6000 US-Dollar Prämie.

Speerwerfen ist eine sehr komplexe Sportart, und so kommt es, dass beim kleinsten Fehler ein Speer einer Weltklasse-Athletin auch schon bei 55 Meter abstürzt, wie am Donnerstag mehrfach passiert. „Mir ist das heute erneut nicht passiert, weil ich auf einem sehr stabilen Niveau bin“, sagte Christin Hussong.

Aber die Beine, sie waren nicht hundertprozentig fit. „Aber sie gehören halt zum Werfen dazu. Oben war’s top, unten nicht so einfach“, erläuterte die 25-Jährige ihre gute Oberkörper- und miserable Beinarbeit und hakte Platz vier auch schon ab.

Werfen auf hohem Niveau

Der Fokus der Speerwerferin liegt ganz klar auf der Weltmeisterschaft im Oktober im Wüstenstaat Katar. Was sollte sie jetzt lamentieren? Sie ist gesund, sie arbeitet hart, sie gibt ihr Bestes. Jeden Wettkampf, jeden Wurf analysiert sie zusammen mit ihrem Vater und Trainer Udo. Auf die Frage, ob sie sich in Doha die 67 Meter zutraut – ihre Bestleistung steht mit dem EM-Siegwurf von Berlin bei 67,90 Meter –, überlegt sie kurz und sagt: „Mehr noch.“

Das heißt: Sie hat was drauf. Wofür das am Ende reicht, ist offen, denn: „Wir alle werfen auf einem ziemlich hohen Niveau.“ Zwar habe sie die 67 Meter im Training nicht geworfen, aber die Werte ließen Rückschlüsse zu, sagt sie. „Ich bin nicht der Trainingsweltmeister, eher der Wettkampftyp.“

„Es hätte bessere Orte gegeben“

Die Weltmeisterschaft in Doha beschäftigt alle. Der späte Zeitpunkt, die Hitze. „Es wird hart, aber nicht unmöglich. Es ist, wie es ist. Wir müssen es hinnehmen. Aber es hätte sicherlich bessere Wettkampforte gegeben“, sagt die Studentin, deren Trainingspläne ganz klar auf Doha ausgerichtet sind.

Lob für das Züricher Stadion

Natürlich erinnerte sich Christin Hussong, dass sie vor fünf Jahren bei der EM im Züricher Letzigrund ihre internationale Feuertaufe bei den Frauen mit einem siebten Platz bestand und noch einmal zu einem Diamond-League-Finale gekommen war. „Ein wunderschönes Stadion. Ich finde es schön, dass es so klein, aber stimmungsvoll ist. Uns bringt das mehr. Wir haben nicht die 50 000 Zuschauer wie die Fußballer.“

Anreise mit den Eltern

Mit ihren Eltern zusammen war sie am Mittwochabend nach Zürich gekommen. „Wir haben sie im Athletenhotel abgeliefert, Udo und ich wohnten gerade 200 Meter nebenan. Und heute Morgen waren wir mit Christin zusammen“, erzählte am Donnerstag Mutter Gabi, die sich für 85 Schweizer Franken („ganz schön teuer“) ein Ticket auf der Tribüne kaufte, während Ehemann Udo Hussong quasi freien Eintritt hatte – als Trainer in der Coaching Zone.

Gleich nach dem Wettkampf in Zürich ging es für die Familie schon wieder nach Hause. „Es sind vier Stunden Fahrt. Wir müssen Freitag ja wieder arbeiten“, sagte die wie ihr Mann bei der Kreisverwaltung Südwestpfalz in Pirmasens beschäftigte Gabi Hussong.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
27.09.–06.10.2019 Weltmeisterschaften 2019 Doha (Katar)
29.08.2019 Diamond-League-Finale Zürich 2019 Zürich (Schweiz)