Am Ende saß Anne Berger da, hatte den Kopf erst in den Händen und schüttelte ihn dann ungläubig. Die Springerin des VfL Gladbeck hatte gestern Nachmittag zwar den U20-Qualifikationswettbewerb der Frauen beim siebten Himmelsstürmer-Cup des LAZ Zweibrücken gewonnen – richtig zufrieden war sie aber nicht. Im kleinen, gemeinsamen Feld der U18-, U20-Athleten sowie zweier Männer hatte sie 3,75 Meter übersprungen. Das ist 15 Zentimeter unter ihrer aktuellen Bestmarke, und auch immer noch 30 Zentimeter unter der vom deutschen Verband geforderten Normhöhe für die U20-WM im finnischen Tampere (10. bis 15. Juli).

Alexander Gakstädter, Stabhochsprung-Bundestrainer der Nachwuchsfrauen, hatte ihr die Norm im Vorfeld durchaus zugetraut. Die Bedingungen waren auch nicht schlecht gestern in Zweibrücken: Es blies ein ordentlicher Rückenwind, mehr als am Samstag bei den Elite-Feldern. Und Berger startete quasi ohne Konkurrenz, sie war die einzige Springerin ihres Jahrgangs. Kim Schwenke fehlte zuletzt verletzt, die Zwillingsschwestern Lauré und Doville-Michelle Scheutzow waren bereits am Samstag in Rostock im Einsatz und wollten die weite Fahrt in den Süden dann nicht mehr auf sich nehmen.

Die ersten beiden Höhen nahm Anne Berger auch quasi im Vorbeigehen. Im ersten Versuch ging es glatt über die Einstiegshöhe 3,65 Meter und dann über 3,75 Meter. An 3,85 Meter scheiterte sie dann aber dreimal. Bundestrainer Alexander Gakstädter setzte sich, nachdem ihr erster Frust verflogen war, zur Analyse gleich neben die Athletin im schwarz-roten Dress. Schon vor dem zweiten Versuch hatte er ihr zugerufen, dass der Anlauf genau so passt, sie locker rangehen soll. „Sie hat ein bisschen die Tendenz, im Oberkörper hart zu werden, wenn sie es unbedingt besser machen will. Dann läuft sie im Anlauf nur noch aus den Beinen raus“, erklärte er. Bei 3,75 Meter habe sie es super gemacht, bei der nächsten Höhe mit einem härteren Stab „ist sie dann wieder fester geworden“. Berger hat – wie alle anderen Konkurrentinnen – aber noch eine Gelegenheit, die WM-Norm zu knacken: am kommenden Wochenende bei der DLV-Junioren-Gala in Mannheim. Erst danach muss Alexander Gakstädter seine Nominierungsvorschläge abgeben.

Die Vorschläge für die U18-EM im ungarischen Györ (5. bis 8. Juli) sind indes schon auf dem Weg. Gakstädter hatte seine Schützlinge am Samstag bei der internationalen U18-Gala in Schweinfurt noch mal genau unter die Lupe genommen. Am Sonntag in Zweibrücken hatte der hauptamtliche LAZ-Trainer auch quer durch die Altersklassen gut zu tun. Schützling Tristan Mayer übersprang 3,45 Meter, zu einer neuen Bestleistung wie bei Philipp Kranz (Trainer: Helmut Kruber) mit ebenfalls 3,45 Metern reichte es aber nicht. Stina Seidler (Jahrgang 1998) vom SV Werder Bremen sprang bei den Frauen mit 3,85 Metern noch am höchsten. Bei den U20-Männern hatte Kai Winnemann von der MTG Mannheim (4,55 m) die Nase vorn.

Schließlich betreute Gakstädter am Ende noch zwei Männer. Lukas Hallanzy tauchte als Zaun- und Überraschungsgast im Wettbewerb auf. Der 24-Jährige Soldat, der schon vor vier Jahren mit dem Leistungssport aufgehört hat, zeigte einige respektable Sprünge und schaffte ebenfalls 4,55 Meter. Und auch der Petersberger Nico Fremgen, ebenfalls Zeitsoldat, griff gestern noch mal zu den Stäben, wollte den „Salto nullo“ vom Vortag im Elite-Feld so nicht stehen lassen. Er übersprang 4,75 Meter, scheiterte dann aber an 5,05 Metern.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
16.–17.06.2018 Himmelsstürmer-Cup 2018 Zweibrücken (Deutschland)