Die Überraschung gleich zum Wochenauftakt: Raphael Holzdeppe kommt zurück nach Zweibrücken. Den Stabhochsprung-Weltmeister zieht es wieder in die Heimat, zurück zum LAZ – für das er auch in seiner Zeit in München gestartet war – und zurück zu seinem alten Trainer Andrei Tivontchik. Im ersten Moment erstaunt von der Neuigkeit, denke ich beim Blick auf die Schlagzeile genauer über den Schritt des 25-Jährigen nach. Und kann ihn verstehen.

Holzdeppe hat während seiner Zeit in München Höhen und Tiefen erlebt, hat sich 2013 schnell eingelebt, unter Trainer Chauncey Johnsen in Moskau mit 5,89 Metern überraschend den Weltmeistertitel gewonnen. Doch es folgt eine schwere Saison für den „Leichtathleten des Jahres 2013“. Eine Rückenverletzung verhindert den geplanten Einstieg in die Hallenrunde. Nach einem „salto nullo“ zum Auftakt hält er aber an dem Ziel fest, bei der WM zu starten. Doch nur zwei Wochen später beendet Holzdeppe die Wintersaison. Will sich auf den Sommer und die EM in Zürich konzentrieren. Doch auch daraus wird nichts. Im Mai startet der Zweibrücker mit 5,42 Metern. Höhen um die 5,50 Meter folgen. Höher als 5,53 Meter geht es bis Mitte Juli aber nicht hinaus. So beendet Raphael Holzdeppe die Saison ohne Quali-Norm, ohne EM-Teilnahme.

Stabhochspringer sind es gewohnt, tief zu fallen. Doch als Weltmeister nicht einmal die Chance zu bekommen, den anvisierten EM-Titel in Angriff zu nehmen, immer wieder Rückschläge bei den Wettkämpfen einstecken zu müssen, bei Weitem nicht an die alte Form sowie an die Höhen der Konkurrenten heranzureichen, kommt einem Fall gleich, der nicht so einfach durch eine weiche Matte abzufedern ist. Zwar kennt sich Holzdeppe mit Höhen und Tiefen aus: Schon in ganz jungen Jahren war der Zweibrücker in schöner Regelmäßigkeit ganz hoch geflogen. 2008 wurde er als 18-Jähriger U20-Weltmeister, stellte mit 5,80 Metern den U20-Weltrekord auf und erlebte seine ersten Olympischen Spiele in Peking. Wurde Achter. 2009 gewann er den Titel bei der U23EM – als 19-Jähriger. Doch der Transfer dieser glanzvollen Leistungen wollte ihm danach nicht mehr so recht gelingen. Bis zum Olympiajahr 2012. Doch in diesem vermeintlichen „Zwischentief“ bis zur Bronzemedaille in London hatte Holzdeppe Zuhause die direkte Unterstützung durch Familie und Freunde. Ganz sicher hat das schwierige vergangene Jahr daher auch eine Rolle bei der Entscheidung, in die Pfalz zurückzukehren, gespielt. Verständlicherweise. Ohnehin hatte Raphael Holzdeppe die Verbindung zu seinem Heimatverein auch während seiner zweijährigen Stippvisite in München nie gelöst, war weiter für den Verein gestartet, bei dem er als Zehnjähriger mit dem Stabhochsprung begann.

Wie der LAZ-Vorsitzende Bernhard Brenner ganz richtig betonte, ist die Rückkehr aber auch ein deutliches Zeichen für die Spitzenarbeit, die das Leichtathletikzentrum seit Jahren leistet. Diese führt Tivontchik, der Holzdeppe von klein auf kennt, nun gemeinsam mit diesem fort. Mit dem Ziel, das Aushängeschild es LAZ zu alter Stärke zurückzufinden. Wie schnell das funktioniert, ist offen – doch für das Leichtathletikzentrum, den Sport in Zweibrücken und die Stadt ist die Rückkehr des Weltmeisters auf alle Fälle ein großer Gewinn.