Stabhochspringer Raphael Holzdeppe und Speerwerferin Christin Hussong gehen heute als aussichtsreichste Kandidaten in Nürnberg bei der Deutschen Leichtathletik-Meisterschaft an den Start. Daniel Clemens hofft auf die EM-Quali.

Nürnberg/Zweibrücken. Den großen Wurf vor Augen startet Speerwerferin Christin Hussong heute bei den Deutschen Leichtathletikmeisterschaften im Nürnberger Max-Morlock-Stadion. Sie ist einer von vier Athleten, die das LAZ Zweibrücken vertreten. „Mein Ziel ist vorrangig, den Titel von 2016 zurückzugewinnen. Welche Weite herauskommt, sieht man dann. Bei einer Meisterschaft zählt der Platz, eine gute Weite wäre eine Zugabe“, sagt die Herschbergerin zu ihren Ambitionen. Vergangenes Jahr musste sie sich bei der DM Weltmeisterin Katharina Molitor (Bayer Leverkusen) geschlagen geben, konnte insgesamt im Wettkampf selten die guten Trainingsleistungen umsetzen.

Dieses Jahr hingegen läuft es besser. Beim 3. Internationalen Speerwurfmeeting in Jena errang sie vor zwei Wochen den Tagessieg (wir berichteten). Dann verteidigte sie mit 62,65 Metern ihren Titel beim Spitzenleichtathletik-Meeting in Luzern (Schweiz). Die Norm für die Europameisterschaft, die vom 7. bis 12. August in Berlin stattfindet, hat die 24-Jährige bereits länger erfüllt. Dafür kommt die DM als „letzter Test unter Wettkampfbedingungen“ gerade richtig: „Im Wettkampf packt man ein paar Prozente mehr aus als im Training. Die Deutsche Meisterschaft ist sehr wichtig, um nochmal zu sehen, wo man steht und an was man in den nächsten zwei Wochen arbeiten muss.“

Die letzten zwei Wochen habe sie jedenfalls gut trainieren können, die Form stimme. „Ich bin fit und gesund“, so Hussong, die an technischen Kleinigkeiten gefeilt habe, etwa daran, ihre Größe von 1,86 Metern beim Wurf besser auszuspielen. Ernst wird es für sie am Samstag um 16 Uhr. Als Konkurrentinnen hat sie außer Molitor und Dana Bergrath (Leverkusen), die die Norm von 60 Metern ebenfalls schon erfüllt hat, auch Annika Fuchs (SC Potsdam) und Christine Winkler (SC DHFK Leipzig) auf dem Schirm.

Anders als Hussong muss Stabhochspringer Daniel Clemens trotz erfüllter Norm von 5,60 Meter um seine EM-Teilnahme bangen. Gleich vier andere Athleten haben es ihm nämlich gleichgetan, Tobias Scherbarth (Bayer Leverkusen) überbot mit 5,65 Metern Clemens‘ Höhe um vier Zentimeter. Nur ein gewaltiger Satz in Nürnberg am Samstag ab 16.50 Uhr könnte Clemens also einem Start in Berlin näherbringen. „Es wäre optimal, wenn ich unter die ersten Drei komme und mich für die EM qualifiziere“, gibt der 26-Jährige als Ziel aus. Denn mit den anderen vier sei er „auf Augenhöhe, es gibt keine Ausreißer“.

Vergangene Woche habe ihm das rechte Sprunggelenk wieder zu schaffen gemacht, an dem er sich 2016 verletzt hatte: „Ich habe eine Hyaluronsäurespritze bekommen und bin jetzt körperlich und mental fit, bereit für die DM.“ Etwas bange wird ihm angesichts der Wettervorhersage: „Das ist nicht so optimal gemeldet. 90 Prozent Regenwahrscheinlichkeit soll es am Sonntag geben. Regen ist für uns nicht optimal.“ Das Hauptproblem für Stabhochspringer sei es, den Griff des Stabes trockenzuhalten, um nicht abzurutschen. Auch der Untergrund wäre bei Regen natürlich rutschiger. Und: „Wenn man auf die verregnete Matte fällt, wird man klitschnass. Ist es dann zu kühl, muss man aufpassen, dass man nicht unterkühlt.“ Mit Regen habe Clemens schon gute und schlechte Erfahrungen gemacht – etwa einen wetterbedingten Abbruch aus Sicherheitsgründen. Bei der U23-EM wurde er 2013 trotz einsetzenden Sturzregens Dritter.

Der zweite Zweibrücker Stabhochspringer Raphael Holzdeppe ist bereits für die EM nominiert, hatte vor einem Monat mit 5,81 Metern den LAZ-Himmelsstürmer-Cup gewonnen, aber diesen Sommer noch nicht zur Konstanz auf hohem Niveau gefunden. Der 28-Jährige packt als Favorit die Stäbe in Nürnberg aus.

Für Sprinterin Sina Mayer (23) geht es in Nürnberg am Samstag ab 16.25 Uhr ( Vorlauf ) eher darum, eine Überraschung zu schaffen. Gemessen an den Saisonbestleistungen liegt sie mit 11,52 Sekunden zwar im vorderen Drittel der 42 gemeldeten Athletinnen. Die beste Zeit weist hier allerdings Tatjana Pinto (LC Paderborn) mit deutlich schnelleren 11,11 Sekunden auf. Ein Angriff nach vorne sei für Mayer aber „momentan gar kein Thema“. Denn: „Der Frauensprint in Deutschland ist so stark wie noch nie. Mein Ziel ist es einfach, meine Saisonbestleistung zu steigern.“ Auch das frühere Ziel der EM-Teilnahme sei „etwas in den Hintergrund gerückt. Es sind schon viele die Norm gelaufen, da müsste ich am Wochenende schon richtig einen raushauen“.

Mayer, die in Saarbrücken Prävention und Gesundheitsmanagement studiert, hofft wie Clemens auf gute äußere Bedingungen: „Wenn es regnet, wäre das blöd. Aber da ist auch vieles Kopfsache, man muss versuchen, das auszublenden.“ Zuletzt habe sie ein paar technische Probleme bei den Läufen gehabt. So sei ihre frühere Stärke, in der Startphase besonders gut zu beschleunigen, 2018 noch nicht recht zum tragen gekommen. „Die letzten Trainingseinheiten waren besser. Ich muss das wieder über viele Starttrainings automatisieren.“ Nicht ganz zufrieden ist sie derweil mit dem Verlauf des Athletics World Cup in London (Großbritannien) am letzten Wochenende, wo sie als Ersatzläuferin mit der 4x100-Meter-Staffel dabei war. „Wir wurden Vierter, die Zeit war okay. Aber in der Gesamtwertung kam Deutschland auf Platz sechs von acht, das war nicht so doll.“

Speerwerferin Christin Hussong möchte bei den deutschen Leichtathletikmeisterschaften in Nürnberg nach 2016 ein weiteres Mal den Titel erringen.
Speerwerferin Christin Hussong möchte bei den deutschen Leichtathletikmeisterschaften in Nürnberg nach 2016 ein weiteres Mal den Titel erringen. (Foto: Alexandra Wey/Keystone/dpa)
LAZ-Stabhochspringer Raphael Holzdeppe geht in Nürnberg als Topfavorit in den Wettbewerb.
LAZ-Stabhochspringer Raphael Holzdeppe geht in Nürnberg als Topfavorit in den Wettbewerb. (Foto: maw)
Holzdeppes Teamkollege Daniel Clemens hofft auf einen Platz unter den ersten Drei und eine Nominierung für die Heim-EM.
Holzdeppes Teamkollege Daniel Clemens hofft auf einen Platz unter den ersten Drei und eine Nominierung für die Heim-EM. (Foto: maw)
Sprinterin Sina Mayer setzt sich als Ziel, ihre Saisonbestleistung von 11,52 Sekunden über die 100 Meter zu verbessern.
Sprinterin Sina Mayer setzt sich als Ziel, ihre Saisonbestleistung von 11,52 Sekunden über die 100 Meter zu verbessern. (Foto: Herkert/Imago)

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
21.–22.07.2018 Deutsche Meisterschaften 2018 Nürnberg (Deutschland)
07.–12.08.2018 Europameisterschaften 2018 Berlin (Deutschland)