Der 12. August 2013 besitzt historischen Wert. Dieser Tag geht in die Annalen der deutschen LeichtathletikGeschichte, des Leichtathletikzentrums (LAZ) und der Stadt Zweibrücken ein. Der Protagonist, der für diesen Hype gesorgt hat, war Raphael Holzdeppe. Millionen Zuschauer vor den Bildschirmen haben mit dem 23Jährigen mitgefiebert, ehe der absolute Triumph perfekt war. Mit drei Sprüngen war der Minimalist aus Zweibrücken Weltmeister geworden. Der Dritte der Olympischen Spiele von London 2012 hatte mit 5,89 Metern den Favoriten Renaud Lavillenie (Frankreich) und seinen deutschen Konkurrenten, Björn Otto, auf die Plätze verwiesen.

Dabei hatte der Wahl-Münchner, der seit August 2012 bei Chauncey Johnson trainiert, mit seiner Coolness und Technik die Zuschauer in seinen Bann gezogen. Bei 5,65 Metern war er in den Wettbewerb eingestiegen. Nach dem gelungenen ersten Versuch pokerte er, ließ alle weiteren Höhen, selbst zum Erstaunen der Fachleute, aus. Die 5,81 und die Siegeshöhe von 5,89 Metern nahm er im Stile eines Weltmeisters. Der Jubel in und um Zweibrücken kannte an diesem Montagabend keine Grenzen. Die Vereinskameraden feierten das historische Ereignis mit einem Auto-Korso. Erstmals hatte sich schließlich ein deutscher Athlet im Stabhochsprung den WM-Titel gesichert.

Welche Begeisterung Holzdeppe ausgelöst hatte, wurde auch bei der Ehrung der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Zweibrückens Oberbürgermeister Kurt Pirmann drei Tage später beim Himmelsstürmer-Cup des LAZ auf dem Herzogplatz deutlich. Rund 2000 Zuschauer säumten die Anlage vor dem Rathaus und boten dem frischgebackenen Weltmeister einen würdigen Empfang.

Nicht erst mit dem WM-Titel, bereits mit Olympiabronze in London 2012 war Holzdeppe in der Weltspitze angekommen. Erstmals hatte der Zweibrücker dort die 5,91 Meter überquert – genau im richtigen Moment. Als er mit gerade einmal zehn Jahren zum Stabhochsprung kam, war nicht abzusehen, dass er gut zwölf Jahre später eine olympische Bronzemedaille um den Hals hängen haben, und nur ein Jahr darauf der erste deutsche Weltmeister in der Disziplin sein würde. Mittlerweile schwingt sich der Zweibrücker seit knapp 14 Jahren durch die Lüfte. Dabei hatte er sich als kleiner Junge zunächst am Boden auf der Judomatte versucht, später auch im Gerätturnen. Bereits mit neun Jahren fand der Ausnahmeathlet den Weg zum LAZ, sprintete über die Bahnen, sprang in die Sandgruben auf den Plätzen der Region. „Zunächst habe ich die umfassende Ausbildung mitgemacht, dann, ein Dreivierteljahr später habe ich mich spezialisiert.“ Die ersten Schritte mit dem Stab hatte Holzdeppe in der Trainingsgruppe von Professor Dieter Kruber gemacht. Später ist er zu Andrei Tivontchik gewechselt. Lange galt der Zweibrücker als das ewige Talent.

Höhen und Tiefen haben sich bei dem „Rising Star“ 2008 abgewechselt. Schon in ganz jungen Jahren war er regelmäßig ganz hoch geflogen. 2008 wurde Holzdeppe als 18-Jähriger U20Weltmeister, stellte mit 5,80 Metern den bis heute gültigen U20-Weltrekord auf und erlebte seine ersten Olympischen Spiele in Peking. Wurde Achter. 2009 gewann er bei der U23-EM – als 19-Jähriger. Doch der Transfer dieser glanzvollen Leistungen wollte ihm danach nicht so recht gelingen. „In London konnte ich endlich zeigen, dass ich auch bei den Aktiven Medaillen gewinnen kann“, freute sich Holzdeppe. Doch sein größter Moment stand ihm noch bevor: sein Flug zu WM-Gold.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
10.–18.08.2013 Weltmeisterschaften 2013 Moskau (Russland)