Rehlingen-Siersburg Zehn Zentimeter haben Stabhochspringer Raphael Holzdeppe vom Leichtathletikzentrum (LAZ) Zweibrücken gestern zur Erfüllung der WM-Norm gefehlt. Beim Leichtathletik-Meeting im saarländischen Rehlingen wurde der 27-Jährige vom LAZ Zweibrücken mit übersprungenen 5,60 Meter Zweiter hinter dem OlympiaVierten Piotr Lisek aus Polen (5,70). „Natürlich wäre ich gerne höher gesprungen. Aber die letzten zwei Wochen waren mit viel Reisestress verbunden, zudem lag ich zwischendrin mit Fieber im Bett“, sagte der Weltmeister von 2013. „Ich weiß, dass ich mehr drauf habe. Die Saison ist noch jung.“ Dem Sommer blickt Holzdeppe deshalb zuversichtlich entgegen: „Ich möchte mir den Titel zurückholen. Dafür muss man 5,90 Meter springen können. Ich denke, bis zur WM werde ich dazu in der Lage sein.“

Zuversichtlich zeigte sich gestern auch der sportliche Leiter des LAZ: „Er kommt langsam“, meinte Alexander Vieweg zu Holzdeppes Leistung. „5,60 Meter in Rehlingen sind super. Mal gucken, was er nächste Woche bei uns springt“, sagte Vieweg mit Blick auf den Himmelstürmer-Cup am kommenden Wochenende, 10./11. Juni, im Zweibrücker Westpfalzstadion. Dort wird der Lokalmatador Holzdeppe ebenfalls am Start sein.

In Rehlingen wurde Holzdeppe der Sieg von Lisek weggeschnappt, der die 5,70 Meter im dritten Versuch übersprang und damit noch am Zweibrücker vorbeizog. Mit dieser Höhe war der Pole nah dran am Stadionrekord von Björn Otto aus dem Jahr 2012 (5,72). Anschließend versuchte sich Lisek an 5,80 Metern. Im dritten und letzten Versuch scheiterte Lisek knapp an dieser Höhe, vollzog unter dem Jubel der Zuschauer trotzdem einen Rückwärts-Salto auf der Matte. Der Pole mag ganz offensichtlich das Saarland. Im Januar war er schon beim Neujahrsspringen im Merziger Zeltpalast dabei. „Ich habe einen guten Kontakt zu seinem Management“, sagte Meeting-Organisator Werner Klein. Zwar waren die finanziellen Forderungen zunächst beträchtlich – seit Merzig hat Lisek immerhin die Hallen-EM in Prag gewonnen und seine Hallen-Bestleistung auf 6,00 Meter geschraubt – „doch dank einer Leistungsprämie haben wir uns geeinigt“, erzählte Klein.

Ein weiterer prominenter Starter in Rehlingen war Diskus-Olympiasieger und -Weltmeister Robert Harting. Als nach dessen letztem Wurf die Weite von 64,99 Metern an der Anzeigetafel aufleuchtete, gefror ihm für einen kurzen Moment das Siegerlächeln. Ein mickriger Zentimeter fehlte dem Berliner bei seiner Ring-Rückkehr nach 275 Tagen zur Erfüllung der WM-Norm. So war die Freude über den Erfolg beim Leichtathletik-Meeting in Rehlingen etwas getrübt. „Es war ein guter Wettkampf, aber am Ende steht eine Weite auf dem Zettel“, sagte Harting und fügte mit einem Augenzwinkern hinzu: „Ich hätte noch mal nachmessen lassen sollen.“ Harting verwies den Magdeburger Martin Wierig (62,21) und Markus Münch aus Potsdam (62,16) aber deutlich auf die Plätze zwei und drei.

Bei den Speerwerfern lief gestern bei drehendem und böigem Wind in Sachen Weite nicht sonderlich viel zusammen. Andreas Hofmann von der MTG Mannheim gewann mit 84,21 Metern. Lars Hamann (Dresdner SC) warf 82,73 Meter und wurde Zweiter – vor dem ExSaarbrücker Johannes Vetter mit nur 79,41 Metern. Enttäuschend verlief der Auftritt von Weltmeister Julius Yego. Der Kenianer wirkte alles andere als in gutem körperlichen Zustand, trabte mehr, als dass er anlief und kam im besten Versuch auf 78,62 Meter. Seine Bestleistung: 92,72 Meter.