Unter dem Druck der WMNorm stehen in diesem Jahr die Leichtathleten vor der Meisterschaft im August in London. Während die ersten, wie LAZ-Speerwerferin Christin Hussong, diese bereits sehr früh in der Saison abghakt haben und aufatmen können, kämpfen viele andere noch um Qualiweiten, -höhen und -zeiten. So auch Stabhochspringer Raphael Holzdeppe. Seine Hoffnung, gleich in den ersten Wettkämpfen die 5,70 Meter zu überfliegen, erfüllten sich nicht. Dabei sah es an Pfingstmontag in Rehlingen mit dem souveränen Sprung über 5,60 gleich im ersten Anlauf ganz danach aus, als könnte die Marke fallen. Doch mit den drei missglückten Versuchen über die 5,70 Meter haderte Holzdeppe, diskutierte anschließend viel mit Trainer Andrei Tivontchik.

Zu zweifeln beginnt der Zweibrücker aber noch lange nicht. Er wisse, was er drauf habe, fühle sich fit und ist sich ganz sicher, dass in den kommenden Wochen die Quali fallen wird – vielleicht ja schon am Samstag beim heimischen Himmelsstürmer-Cup im Westpfalzstadion. Zumal seine Ambitionen in diesem WM-Jahr ohnehin höher sind, als nur die Quali. Er will wieder nach ganz oben in die Weltelite. Zu hoch gestapelt? Wer Raphael Holzdeppe kennt, wer die bisherige Karriere des 27-Jährigen verfolgt hat, weiß: Der Zweibrücker ist auch nach jedem noch so tiefen Fall in der Lage, für die nächste Überraschung zu sorgen. Vor den Olympischen Spielen 2012 in London hätte kaum jemand eine Medaille von Holzdeppe, der mit 5,91 Metern Bronze gewann, erwartet. Vollkommen überraschend kam nach einem zuvor durchwachsenen Jahr auch der WM-Titel in Moskau 2013 (5,89 m). Bemerkenswert war auch der Sprung zu WM-Silber 2015. Nach dem Seuchenjahr 2014, mit einem angeschlagenen Körper, angekratzter Psyche und nach zahlreichen Rückschlägen kämpfte er sich Schritt für Schritt zurück und überraschte bei der DM mit neuer Bestleistung von 5,94 Metern und anschließendem Silber in Peking (5,90 m). Zwar ist Holzdeppe von diesen Bestleistungen derzeit rund 30 Zentimeter entfernt. Abschreiben sollte ihn aber auch nach dem Quali-Aus in Rio 2016 niemand. Von Rückschlägen, Verletzungen und Kritik lässt sich der 27-Jährige nicht unterkriegen. Ehrgeizig wird der Zweibrücker weiterhin seinen Traum verfolgen, bei der WM in London ganz oben zu stehen. Dazu muss aber erst einmal die Norm her. Doch noch ist die Saison jung, noch hat Raphael Holzdeppe Zeit, den Grundstein für die nächste Überraschung zu legen.

Bereits befreit von diesem Druck ist Christin Hussong. Schon Ende Mai hat sie in Halle die WMNorm mit 61,91 Metern überworfen. Doch der deutschen Meisterin fehlt derzeit noch die Konstanz. Sie blieb bei der Hochschul-DM und am Montag in Prag je unter der 60-Meter-Marke. Zurücklehnen ist demnach auch für die U23-Europameisterin nicht drin. Gemeinsam mit Vater und Trainer Udo Hussong ackert und feilt sie täglich im Training an Form und Technik, um über die DM Anfang Juli pünktlich zur WM in Hochform zu sein – und vielleicht ebenfalls für eine Überraschung zu sorgen.