Eisenberg. Die Zeiten, in denen eine Christin Hussong bei Rheinland-Pfalz-Meisterschaften den Speer wirft, sind vorerst wohl vorbei. Wenn aber eine Weltklasseathletin ihres Formats als Zuschauerin in Eisenberg vorbeischaut, zwischen Oslo und Ostrava Station macht, zeigt das eine besondere Verbundenheit zu der Region, aus der sie kommt. Mit 66,36 Metern ist sie derzeit die Nummer sechs in der Welt.

„Bisher hat alles richtig gut geklappt, ich bin super zufrieden“, sagte die 24 Jahre alte Studentin aus Herschberg am Samstagmittag. Bei ihrem ersten Saisonwettkampf am 26. Mai in Halle/ Saale hatte sie die 600 Gramm schwere Lanze auf einen weiten Weg geschickt. Bei 66,36 Metern schlug der Speer im Rasen ein, nur fünf Zentimeter unter ihrer Bestleistung von 66,41 Metern, mit der sie vor knapp zwei Jahren in Kassel den deutschen Meistertitel geholt hatte.

„Es ist schon gut und wichtig, solch einen weiten Wurf so früh in der Saison stehen zu haben, das öffnet Tür und Tor bei den internationalen Wettkämpfen“, sagte Hussong, die zunächst nicht dachte, dass er so weit ging. „Da waren schon noch ein paar technische Fehler. Im Nachhinein ist es für mich okay, dass er nicht perfekt war, sonst läuft man vielleicht einem perfekten Wurf die ganze Saison hinterher“, sagte sie. „Aber ich weiß, dass es noch nicht das Ende ist, dass es noch weiter geht.“ In Offenburg kam sie vor zehn Tagen auf 63,52 Meter, vergangenen Donnerstag ließ sie in Oslo einen 58er Wurf anschreiben. Ein paar technische Kleinigkeiten machte sie aus, die nicht so funktionierten, „und dann fliegt er eben nicht so weit“, sagte Hussong und hängte lachend an: „Aber ich mach’ mir da keinen Kopp.“

Im Kraft-Schnelligkeitsbereich haben sie und ihr Trainer und Vater Udo sich einiges bei Olympiasieger Thomas Röhler abgeschaut. „Anscheinend schlägt das an. Die Männer machen die Übungen schon länger“, sagte Christin Hussong. Morgen wirft sie in Ostrava, die Eintrittskarten für die Meetings in Lausanne und Luzern hat sie auch schon in der Tasche, danach folgen die deutschen Meisterschaften in Nürnberg.

Die Australierin Kathryn Mitchell führt mit 68,92 Metern die Weltbestenliste an, die Weißrussin Tatjana Kaladowitsch ist mit 67,47 Metern die beste Europäerin gefolgt von Marcelina Witek (Polen, 66,53) und Hussong. Europa mit den Titelkämpfen in Berlin, der Qualifikation am 9. August und dem Finale am 10. August ist das, was zählt in diesem Jahr. Die U18-Weltmeisterin und U23-Europameisterin wartet noch auf den ganz großen Coup bei den Erwachsenen ...

„Berlin wird bestimmt gut werden. Ich hatte noch nie ein internationales Ereignis im eigenen Land. Mama, Papa, meine Schwester mit Freund und mein Freund sind da. Alle hinter sich zu haben, wird ganz cool“, zeigt sie Vorfreude. Danach heißt es volle Konzentration auf Tokio 2020. 2019 schreibt sie ihre Bachelorarbeit in Gesundheitsmanagement, Ende des Jahres ist sie fertig und hat den Kopf frei für Olympia.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
09.06.2018 Rheinland-Pfalz Meisterschaften M/F/U18 Eisenberg (Deutschland)
07.06.2018 Diamond League Oslo 2018 Oslo (Norwegen)
21.–22.07.2018 Deutsche Meisterschaften 2018 Nürnberg (Deutschland)
13.06.2018 Golden Spike World Challenge 2018 Ostrava (Tschechien)
05.07.2018 Diamond League Lausanne 2018 Lausanne (Schweiz)
09.07.2018 Spitzen Leichtathletik Luzern 2018 Luzern (Schweiz)
07.–12.08.2018 Europameisterschaften 2018 Berlin (Deutschland)