Angelina Klimova ist erst zwölf Jahre. Doch die gebürtige Russin aus Sotchi hat ein klares Ziel vor Augen. Sie will Tennisprofi werden. Seit drei Jahren bereitet sie kontinuierlich ihre Karriere vor. Nach dem Umzug nach Spichern besucht sie ein Fern-Gymnasium in Hamburg.

Zweibrücken. Angelina Klimova weiß genau was sie will. Sie will Profi werden, Tennis-Profi. „Das ist mein absolutes Ziel“, erklärt die zwölfjährige Spielerin des TC Weiß-Blau Zweibrücken selbstbewusst. „Ansonsten würde ich all das nicht auf mich nehmen.“ Seit rund drei Jahren wohnt die im Olympischen Wintersportort 2010 Sotchi geborne Angelina, die im Alter von einem Jahr mit ihren Eltern nach Deutschland übergesiedelt ist, im französischen Spichern.

Seither tingelt die talentierte Tennisspielerin durch Europa und nimmt an verschiedenen Europe-Turnieren teil. Dabei trifft sie auf die besten Spielerinnen ihrer Altersklasse. Aber auch bei nationalen Turnieren, wie etwa auf Malta, hat sie sich bereits einen Namen gemacht und wird in der Rangliste des Deutschen Tennisbundes derzeit auf Platz drei ihrer Altersklasse geführt.

Doch dieses „Leben aus dem Koffer“, wie sie es selbst beschreibt, hat ihren Preis. Seit drei Jahren ist die Zwölfjährige, nachdem sie die Grundschule in St. Wendel bis zur vierten Klasse besucht hat, Schülerin des Fern-Gymnasiums in Hamburg. Derzeit besucht sie die siebte Klasse. Deshalb ist die Familie Klimov auch nach Frankreich umgezogen, um der deutschen Schulpflicht aus dem Weg zu gehen. „In Frankreich erlaubt das Bildungsgesetz den Eltern, ihre Kinder nach ihrer eigenen Philosophie zu beschulen“, klärt Vater Yury Klimov auf, der beim Tennisclub Weiß-Blau Zweibrücken seit dem vergangenen Jahr als Vereinstrainer tätig ist.

Angelina werden die jeweiligen Aufgaben zugeschickt. Sie beantwortet sie weitestgehend selbstständig und schickt sie anschließend per Scanner oder per Post an die Schule zurück. Nach rund 14 Tagen werden die korrigierten Arbeiten wieder zurückgeschickt. Ähnlich ist auch das Prozedere bei den Klassenarbeiten. „Wenn ich wirklich einmal Schwierigleiten habe, dann bekomme ich Nachilfe. Aber das war bisher kaum der Fall“, betont Angelina, während ihr zehnjähriger Bruder Daniil auf der Terrasse des Tennisheims an der Hofenfelsstraße über seinen Englisch-Aufgaben brütet. Er besucht die gleiche Schule.

Auf den ersten Blick paradiesische Zustände. Doch beileibe nicht. Muss doch Angelina, die am 20. Januar 13 Jahre alt wird, Schule, Training und die Turniere samt Reisen unter einen Hut bringen. Nicht immer einfach, wie sie offen eingesteht. Bleiben doch Freundschaften, wie sie Gleichaltrige pflegen, gänzlich auf der Strecke. Angelina ordnet alles ihrem sportlichen Erfolg unter.

„Einen Tag in der Woche habe ich trainingsfrei.“
Angelina Klimova, Tennisspielerin

Das bedeutet mindestens einvierstündiges täglisches Training, wozu noch Stabilisationübungen beim LAZ Zweibrücken zählen, wenn sie einmal, wie an diesem Dienstag zu Hause ist. „Aber einen Tag habe ich in der Woche frei“, wendet sie ein und lacht. Zu ihrem Trainerstab gehört neben dem früheren saarländischen Landestrainer Eduard Samuel vordergründig ihr Vater Yury Klimov, der sie auch mit seiner Frau Guzel abwechslend zu den Turnieren in Deutschland oder im Ausland begleitet.

„In der Sommersaison bin ich höchstens an einem Wochenende zu Hause“, erklärt die aufgeschlossene Angelina, die seit ihrem vierten Lebensjahr Tennis spielt. Besonders freut sich die Zwölfjährige, dass es ihr kürzlich gelungen ist, eine ihrer härtesten deutschen Konkurrentinnen, Katharina Hobgarshi, beim Nike-Junior-Masters in Halle im Finale mit 6:2/6:0 zu besiegen.

Wenngleich Angelina Klimova auch vorgibt, kein Idol zu haben, so eiferte sie etwa Ana Ivanovic oder Roger Federer, dessen „intelligentes Spiel“ sie bewundert, nach.

Als sie anschließend auf dem Tennisplatz bei knallharten Aufschlägen und Grundschlägen ihr Talent demonstriert, wird man bei ihrem Stöhnen, mit dem sie ihre Bewegungen bekleidet, unweigerlich an Maria Sharapova, die ehemalige Nummer eins der Welt. erinnert. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

Tennisspielerin Angelina Klimova
Dem Tennissport ordnet Angelina Klimova alle persönlichen Interessen unter. Foto: Jörg Jacobi