All die Tage hatte ich im Nationalstadion das olympische Feuer gesucht. Irgendwo muss es ja brennen, dachte ich, zumindest lodert es Tag und Nacht auf Kanal 1 der Bildschirme im Pressezentrum vor sich hin. Nach ein bisschen Recherchieren und ein bisschen Suchen habe ich es gefunden: auf der Yume-no-Ohashi-Brücke steht es, unscheinbar, abgesperrt und gut bewacht. Inmitten des neuen Stadtteils Odaiba an der Bucht, eines Hightech-Viertels mit einem Strand und Einkaufszentren wie dem Venus Fort, das mich an jenes in Doha erinnerte.

Venezianischer Einschlag. Ziemlich trendy. Security-Leute fordern jeden zum Weitergehen auf. Nur an zwei Punkten ist das Fotografieren erlaubt, ich versuche, das Riesenrad Daikanransha im Hintergrund ins Bild zu kriegen. Menschen sind wenige da, aber es war ja mal ganz anders gedacht. Gerade hier im neuen, im supermodernen Tokio. Vermutlich wirkt der Platz bei Dunkelheit sehr viel mehr, wenn die Flamme in der sich öffnenden Blüte gegen den Nachthimmel lodert.

Entzündet wurde das Feuer im März 2020 in Olympia. Asmus Kaufmann, der Marketingchef des Sportbundes Pfalz, schickte mir am Mittwoch eine Nachricht, dass wie schon 2007 Waldbrände das historische Dorf auf dem Peloponnes bedrohen, vor allem aber den Kronoshügel, wo stets die Zeremonie des Feuerentzündens gefeiert wird. Hunderte von Feuerwehrleuten versuchen zu löschen.

Kaufmann wollte eigentlich mit Sportjugend-Referent Peter Conrad und 30 Jugendlichen bei den Spielen in Tokio sein, hatte vor fast zwei Jahren schon eine Vortour hierher gemacht, Quartier gebucht und Tickets gekauft. Dann kam die Verschiebung, die zur Absage für die jungen Leute führte. So sehr hatten sie sich gefreut.

Hätte ich mir gestern die Thunfisch-Auktion dann anschauen wollen, wann sie am interessantesten ist, nämlich zwischen 5 und 7 Uhr, hätte ich nicht ins Bett gehen müssen. Es war aber nur mein Magen neugierig. Also fuhr ich zum Mittagessen zum Toyosu Fischmarkt, dem neuen in Tokio, dem weltgrößten Umschlagplatz für Fisch. Es sollte schnell gehen, und ich wusste auch nicht so recht, wohin genau ich will und was mich erwartet. Erst später las ich nach, dass der alte Tsukiji Outer Market vielleicht doch interessanter gewesen wäre.

Egal, es reichte für ein Sushi für Arme. Eine kleine Platte mit Lachs und Thunfisch, der Sushimeister legte mir noch ein paar Kleinigkeiten drauf, dazu ein grüner Tee und eine Muschelsuppe. Für mich noch das obligatorische Bier. Bezahlt habe ich 2980 Yen, rund 24 Euro. Ich bin wirklich kein Sushi-Experte, nicht einmal Fan. Und werde auch keiner werden. Ich genoss es trotzdem, wobei mir die Atmosphäre in den kleinen Marktstübchen einfach besser gefiel. Japaner saßen da unter sich, gemütlich und dem Essen zugetan. Der Sushimeister, der bedienende Ryutaro und die Chefin an der Kasse, freuten sich, ein fremdes, europäisches Gesicht zu sehen und diesen Menschen verwöhnen zu können. Ich aber erwischte mich bei dem Gedanken an ein Saumagenbrötchen. Ein ehrlicher Banause, gell?

Über das Olympische Dorf, wo der DOSB seine Abschlusskonferenz abhielt, fuhr ich weiter zum Budokan. Wie zu Beginn, in einem der ersten Tagebücher, geschrieben, liegt der Kampfsporttempel inmitten eines Parks. Ich wollte ihn genießen, entspannen. Aber es war wieder regnerisch und einfach zu schwül.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
23.07.–08.08.2021 Olympische Sommerspiele 2020 Tokio (Japan)