Finale – ohohoho. Große Freude. Volare, der Klassiker von den Gipsy Kings, dudelt auf meinen Kopfhörern. Ich sitze im Stadion, in dem gerade die Abschlussfeier geprobt wird. Man darf keine Fotos in die Welt senden, heißt es. Strengstens verboten. Und wenn die Japaner was verbieten, dann heißt es „Uffbasse“. Sie schreiten ohne Erbarmen ein.

Der Regen hat aufgehört, aber es ist eh, wie es ist. Zu heiß, zu schwül, zu nass? Maske auf, Maske ab? Egal, sie sind rum, die Spiele von Tokio. Beeindruckende Spiele für mich. Ich wundere mich immer wieder, wie man in diesem Nachrichtenüberfluss bestehen und seinen roten Faden in der Hand behalten kann, den man sich selbst gelegt hat.

Zuletzt waren viele Kollegen im MPC einfach an den Tischen eingeschlafen, ein Zeichen, dass es genug ist. Übrigens, nicht nur die Athletinnen und Athleten waren international unterwegs, auch wir Journalistinnen und Journalisten. Immer wieder interessant, mit Menschen von irgendwoher ins Gespräch zu kommen oder einfach nur miteinander zu lachen. Ob sich wer angesteckt hat? Mir ist nichts bekannt.

Im MPC saß ich am Vormittag noch mal vor ein paar Bildschirmen, auf denen die Fotoagenturen ihre besten Bilder in 16 Tagen veröffentlichten. Bilder, die ich noch gar nicht sah, viele Emotionen, die ich nicht kannte. Von 339 Entscheidungen geht doch die ein oder andere an einem vorbei. Für mich der absolute Höhepunkt: Wie sich Mutaz Esra Barshim und Gianmarco Tamberi, zwei allerbeste Freunde, auf die Goldmedaille im Hochsprung einigten. Für mich der schlimmste Moment: das Aus von Jonny Horne, dem Jungen aus Lautern, am Samstagabend. Ich drücke ihm die Daumen.

Wir Sportredakteure, und damit meine ich jetzt die Kolleginnen und Kollegen in Ludwigshafen, hatten in diesem Sommer (war’s denn schon Sommer?) ein Wahnsinnsprogramm zu bewältigen und sind auch mal auf dem Zahnfleisch gegangen. Danke an Sebastian, Udo, die beiden Ollis sowie Anja und Andi von der RHEINPFALZ am SONNTAG. Starke Teamleistung.

Danke aber auch an Katja Sturm und Michael Wilkening. Wir haben das Ganze hier in Tokio super gestemmt. Danke an den Verlag für das Vertrauen. Und Danke fürs Lesen! Ach, klar: Arigatou Tokyo, du bist großartig.

Sieben Ibu habe ich in 20 Tagen gebraucht und fast jeden Abend mit 0,1 Liter Kirchenstück gegurgelt. Mein bester, mein wichtigster Begleiter, ich mag’s ja gar nicht so recht zugeben, war mein Smartphone. Ich weiß noch, wie ich bei meinen ersten Spielen in Sydney tonnenweise Papier mit mir herumschleppte, Ergebnisse, Sportlerporträts, Fahrpläne, Infos über Sportstätten. Das alles und noch viel mehr steckt jetzt in diesen Dingern, Tag und Nacht zur Hand.

Vielleicht schmeiß ich es ja im Ruhestand doch nicht in den Rhein, wie angekündigt. In 263 Tagen.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
23.07.–08.08.2021 Olympische Sommerspiele 2020 Tokio (Japan)