Christin Hussong, Speerwerferin vom LAZ Zweibrücken, bestreitet am Donnerstag in Zürich den letzten Wettkampf einer tollen Saison. Die Konkurrenz ist sehr stark. Doch Hussong hat nach der Olympia-Enttäuschung wieder Selbstvertrauen getankt. Gelingt der 27-Jährigen der perfekte Saison-Ausklang?

Zweibrücken. Vergangene Woche war sie wieder die Alte. So, wie man Christin Hussong eben kennt. Fast schon in und auswendig. Sie war gut, natürlich. Sehr gut sogar. Am Ende die beste von allen.

Rovereto, Italien, der vorletzte Wettkampf in dieser aufregenden Saison: Hussong, Speerwerferin des LAZ Zweibrücken, tritt zu ihrem fünften Versuch an – und katapultiert ihren Speer auf 66,06 Meter. Damit gewinnt die 27-jährige Rheinland-Pfälzerin mit deutlichem Abstand vor der Lettin Lina Muze (63,42). Ein goldener Augenblick.

Ja, es war ein Wurf, in dem viel, sehr viel drinsteckte. Viel Power und Qualität freilich. Aber sicherlich auch ein wenig Motivation und Wut nach dieser so herben Enttäuschung Anfang August. Als Hussong bei den Olympischen Spielen in Tokio nur Neunte wurde, weil ihr Speer unter 60 Meter stecken blieb. Viele hatten ihr nach einer herausragenden Saison mindestens Bronze zugetraut, nicht wenige auch Gold. Doch der Höhepunkt wurde zum Tiefpunkt.

Vor diesem Hintergrund war der Triumph in Rovereto irgendwie auch ein wenig Balsam für Hussongs Seele. „Ja, ich bin zurück“, jubilierte Hussong auf Instagram – und gestand ihren Freunden und Fans, dass es „der härteste Wettkampf jemals für meinen Kopf“ war. „Daran sieht man, wie schnell es im Speerwurf geht“, sagt die Herschbergerin im Gespräch mit dem Merkur. Sie wirkt wieder glücklicher. Man hört, dass bei ihr das Lächeln zurück ist.

Und die Italien-Reise hatte nicht nur eine Art therapeutische Wirkung auf Hussong. Nein. Sie bedeutete für sie auch eine gelungene Generalprobe vor dem letzten Turnier in diesem Jahr: dem „Weltklasse-Zürich“-Meeting am Donnerstagabend im Letzigrund-Stadion (Start: 20.22 Uhr). Ein Stelldichein der sechs besten Athletinnen in dieser Saison.

Hussong, die das Turnier bislang zwei Mal gewann, darf hier selbstverständlich nicht fehlen. Olympia-Tristesse hin oder her. Denn die 27-Jährige warf in dieser Saison teilweise brillant. Etwa im polnischen Chorzow, als sie den Speer bei der Team-Europameisterschaft auf 69,19 Metern schleuderte. Und damit die 70er-Marke, eine Art Schallmauer bei den Damen, nur knapp verfehlte. Es war nicht ihr einziger Weltklasse-Wurf in den vergangenen Monaten.

Ein „notwendiges Übel“ nach einem körperlich wie mental anstrengenden Jahr sieht die Top-Athletin im letzten Wettkampf keineswegs. Im Gegenteil: „Die Motivation bei mir ist sehr groß. Es ist ein Finale und eine Ehre, dass man dort dabei sein und werfen darf“, stellt Hussong klar.

Und mit welchem Ziel reist sie in die Schweiz? Darauf könne sie keine konkrete Antwort geben. Hussong sagt nur so viel: „Alle Werferinnen haben die Chance, zu gewinnen. Ich denke, es kommt auf die Tagesform an. Denn jeder, der da im Finale dabei ist, hat über die gesamte Saison Bestleistungen abgerufen.“

Eine, die das neben Hussong zweifelsohne tat, ist Maria Andrejczyk: Die Polin holte bei Olympia nicht nur Silber (64,61 Meter) – ihr gelang in diesem Jahr auch die drittbeste Weite der Geschichte. Am 9. Mai 2021 warf die 25-Jährige beim Europacup in Split 71,40 Meter.

Die Konkurrenz ist also sehr stark. Doch Hussong zeigt sich selbstbewusst. Weiß um ihre Klasse. Dazu trägt auch Italien bei. Rovereto. Die dort geworfenen 66,06 Meter. „Durch den tollen guten Wettkampf in Italien ist das Gefühl bei mir wieder gut“, sagt die 27-Jährige.

Ja, vielleicht ist Hussong nach dieser überaus gelungenen Generalprobe auch beim Saison-Abschluss die beste von allen.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
08.–09.09.2021 Diamond League Zürich 2021 (Finale) Zürich (Schweiz)
31.08.2021 Palio Città della Quercia 2021 Rovereto (Italien)
23.07.–08.08.2021 Olympische Sommerspiele 2020 Tokio (Japan)