Braunschweig. Christin Hussong, Samantha Borutta, Ricarda Lobe und Hanna Klein führen die deutschen Bestenlisten an, die Stabhochspringer Oleg Zernikel, Raphael Holzdeppe und Lisa Ryzih greifen nach Medaillen – es könnte ganz schnell ein pfälzisches Wochenende bei den deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Braunschweig werden.

Auf den ersten Blick wird es am Samstagmittag für Christin Hussong (27, LAZ Zweibrücken) weniger spannend werden. Die Speerwurf-Europameisterin führt mit elf Metern Vorsprung auf Christine Winkler aus Leipzig die Bestenliste an, sie sagt auch: „Deutsche Meisterschaft ist deutsche Meisterschaft, ich will definitiv den Titel.“

Es wäre ihr vierter seit 2016, nur 2017 in Erfurt war sie Zweite hinter Weltmeisterin Katharina Molitor geworden. Und doch: „Ich sage nicht, ach ja, komm, das nehme ich mit links mit. Es ist ein Wettkampf, da kann immer was passieren“, zeigt sie Ehrfurcht vor vermeintlich leichtem Spiel. Drei der fünf weitesten Würfe weltweit stammen derzeit aus Hussongs rechtem Arm, am weitesten flog der 600-Gramm-Speer vor einer Woche in Chorzow – 69,19 Meter.

Das Coronajahr mit weniger Wettkämpfen war für sie auf keinen Fall nachteilig. „Ich habe die Zeit intensiv genutzt. Es klingt so einfach: Ich habe endlich das richtige Gefühl, was ich machen muss. Athletisch war ich schon immer stark, jetzt bin ich technisch stabil geworden, auch wenn hier und da mal etwas schiefläuft“, sagt sie. Sie spielt ihre Körpergröße von 1,86 Meter aus, ist aufrechter beim Wurf, hängt nicht mehr mit dem Oberkörper so vor. „Und beim Stemmen bleibe ich fester und stabiler.“ Am Sonntag fliegt sie ins Speerwerferland Finnland, startet in Turku am Dienstag, dann, nach einer Pause, beim Heimwettkampf in Zweibrücken (19. Juni). Am 2. Juli nimmt sie die Olympiakleidung in Heidelberg entgegen. Ihr Vater und Trainer Udo Hussong ja wohl doch auch. „Ich denke, er kann mit kommen, ich brauche ihn vor Ort.“ Neun Tage vor der Qualifikation bei Olympia in Tokio geht’s nach Japan.

Schon am Freitag kämpft Stabhochspringerin Lisa Ryzih (32, ABC Ludwigshafen) um den Titel, es wäre ihr Fünfter. Am Samstag duellieren sich Oleg Zernikel (26, ASV Landau) und Raphael Holzdeppe (31, LAZ Zweibrücken) mit den Leverkusenern Bo Kanda Lita Baehre und Torben Blech.

Wenn die Mutterstadterin Samantha Borutta (20) ihre Leistung abruft, sie hat 69,39 Meter stehen, sollte der Hammerwurftitel ihr gehören. Nach ihren 13,03 Sekunden in der Schweiz steht Ricarda Lobe (27) aus Landau vor der Titelverteidigung im Hürdensprint. Hanna Klein (28) aus Edenkoben lief gerade über 5000 Meter extrem starke 15:01,99 Minuten, wird aber über 1500 Meter ihren Titel verteidigen wollen.

Viele Stars werden in Braunschweig fehlen: Gina Lückenkemper und Konstanze Klosterhalfen, die Sprinter Kevin Kranz und Deniz Almas sowie Johannes Vetter. Dafür dürfen 2000 Zuschauer pro Tag ins Stadion.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
05.–06.06.2021 Deutsche Meisterschaften 2021 Braunschweig (Deutschland)
29.05.2021 Team-Europameisterschaften 2021 Chorzów (Polen)
07.–08.06.2021 Paavo Nurmi Games 2021 Turku (Finnland)
19.06.2021 Sky's the Limit 2021 Zweibrücken (Deutschland)
23.07.–08.08.2021 Olympische Sommerspiele 2020 Tokio (Japan)