Voller Überzeugung sagt Satoshi Goto: „Ja klar mag ich die Spiele hier in Tokio. Ich glaube, jeder mag sie, aber wir alle müssen vorsichtig sein, es ist nicht leicht, sie durchzuführen.“ Satoshi ist 76, sieht aus wie 67. Er ist sehr vital, spricht fließend Englisch und erzählt, dass er 1964 Student im ersten Jahr war, als er die Spiele in Tokio genoss, jeden Tag beim Judo war. „Das kann ich dieses Mal nicht, das ist schade, wir können es alle nur am Fernseher ansehen“, bedauert er. Und das nicht mal in Tokio, denn schon am Sonntag fliegt er nach Kairo zurück, wo er an der Universität arbeitet. Mit 76! Er sei Ingenieur, sagt er und fragt mich, ob ich ihn vor den Olympischen Ringen fotografieren könnte. Of course, sage ich, sehr erleichtert, mich mal länger mit einem Einheimischen zu unterhalten, und ich bitte ihn darum, auch mich abzulichten. Wir hatten uns beide nicht in den langen Schlangen angestellt, in denen die Menschen warten, um sich direkt an den Ringen fotografieren zu lassen. Wir beide begnügen uns, fünf Meter von ihnen wegzubleiben und beobachten die Menschen, die in eine zweite Schlange überwechseln, denn am Olympischen Museum gibt es Souvenirs – T-Shirts, Mützen, Fähnchen und die Maskottchen. Miraitowa, das blaue, und Someity, das dann bei den Paralympics groß rauskommt.

Drinnen im Stadion, eine Woche nach der Eröffnungsfeier, dann die ersten Wettbewerbe. Mit zwei Landauern. Ricarda Lobe, die Hürdlerin, schafft’s nicht, sich für den nächsten Lauf zu qualifizieren, Oleg Zernikel darf noch mal kommen. Ich treffe auch Silke Bernhart, die Redakteurin von Leichtathletik.de, die erst vor zwei Tage ankam. Sie erzählt mir, wie nahe ihr Hotel liegt, was vernünftig ist, denn sie hat nur eine Spezialakkreditierung für die Leichtathletik-Wettbewerbe, was ihr reicht. Allerdings fragt sie, ob ich auch so ein karges Frühstück hätte. An der Zimmertür hänge eine Flasche Wasser und es gebe vier Croissants in der Folie dazu. Entsetzlich sei das. Auch Andreas Kornes, der Augsburger, hatte mir Ähnliches erzählt. Mit ihm hatte ich vor fast zwei Jahren die Stadiontour in Doha/Katar gemacht, um uns mal die viel diskutierten Baustellen anzuschauen. Auch er kann sich in einem kahlen Raum eine von vier Boxen aussuchen, eine Flasche Wasser dazunehmen und fertig.

Ich bin total überrascht. Da frühstücke ich ja in meinen Hotelchen in Downtown geradezu fürstlich. Ich habe mich des Nachts, auf dem Heimweg, schon mal so ein bisschen umgeguckt. Unerlaubterweise. Da gibt es durchaus ein paar geöffnete Kneipen, und Alkohol wird da auch getrunken. Rausgetorkelt kommen die Japaner, ehrlich. Und ja, ein paar Damen im kurzen Röckchen haben mich auch schon angesprochen. Ich habe mich rausgeredet. Aber was anderes: Auf der Hinfahrt durch den Norden der Stadt machte ich wieder einen Screenshot. Sieht ja danach aus, dass ich die nächsten Tage im Leichtathletikstadion verbringe und unter Mittag mal hinlaufe. Wieder was Grünes, wieder ein bewachter Park, wieder kaiserliches Eigentum.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
23.07.–08.08.2021 Olympische Sommerspiele 2020 Tokio (Japan)