Hamburg/Ostrava. Johannes Vetter presste sofort die Lippen zusammen und schüttelte den Kopf. Da geht noch mehr, sollte das wohl heißen. Dabei flog und flog sein Speer in Ostrava, landete erst bei 94,20 Meter. „Ich bin eben ein kleiner Perfektionist“, sagte Vetter nach seiner nächsten Galavorstellung auf dem Weg zu den Olympischen Spielen in Tokio (23. Juli bis 8. August).

94,20 Meter – nur Vetter selber und Weltrekordler Jan Zelezny haben jemals weiter geworfen, es war die siebtbeste Weite der Geschichte. Der Monsterwurf habe sich ein Stück weit „angekündigt, das Training lief zuletzt perfekt“, sagte der 28-Jährige, der nun seit 13 Wettkämpfen unbesiegt ist: „Ich habe nur kleine Fehler gemacht.“ In Tschechien gab es sogar einen deutschen Speerwurf-Doppelsieg. Bei den Frauen gewann Europameisterin Christin Hussong vom LAZ Zweibrücken mit 66,56 Metern.

Dass Vetter trotz der Riesenweite nicht vollends zufrieden war, zeigt, in welchen Sphären der Ex-Weltmeister in diesem Jahr unterwegs ist. Was wäre möglich gewesen, wenn es wärmer als zwölf Grad gewesen wäre? Wenn die Winde richtig geweht hätten und nicht aus wechselnden Richtungen? „Es war ein toller Wurf“, sagte Vetter, der sich hinterher ein Bierchen gönnte: „Aber natürlich wäre der Weltrekord noch besser gewesen.“

Diese 98,48 Meter von Zelezny, übrigens Meeting-Direktor in Ostrava, sind für Vetter längst keine Utopie mehr. Seine Bestleistung steht seit acht Monaten bei 97,76 Meter, doch in dieser Olympia-Saison scheint Vetter noch einmal besser in Form zu sein – weil das Kraftpaket endlich einmal über einen längeren Zeitraum verletzungsfrei trainieren konnte. Mit Blick auf Tokio, wo er natürlich das Maximum anstrebt, gäbe seine Serienproduktion von 90-Meter-Würfen ein „beruhigendes Gefühl“, sagte Vetter, der weiß, dass er „immer noch ein Ass im Ärmel hat“.

Eine Pause gönnt sich Vetter jetzt aber nicht, am Freitag ist der Weltjahresbeste neben Weitsprung-Queen Malaika Mihambo der Star beim Meeting in Dessau (Livestream auf mdr.de ab 18.25 Uhr). Und das trotz Corona vor immerhin 500 Zuschauern. „Da freue ich mich tierisch drauf“, sagte Vetter: „Vor Fans ist es immer schöner, logisch.“ Krankenhausmitarbeiter, Pflegekräfte und Feuerwehrleute aus der Stadt dürfen als Dankeschön unter Auflagen auf der Haupttribüne Platz nehmen – vorausgesetzt sie sind vollständig geimpft oder genesen.

In Dessau mit dabei ist neben Sina Mayer vom LAZ Zweibrücken, die über die 100 Meter startet, auch Mihambo, die in der Vorwoche den Wettkampf in Mannheim wegen Rückenproblemen abgesagt hatte. „Eine Vorsichtsmaßnahme“, sagte ihr Trainer Uli Knapp. Sprünge über die 7-Meter-Marke erwartet der Kirkeler von Mihambo bei ihrem Weitsprung-Einstieg aber noch nicht. „Malaika ist noch nicht in Top-Form, wir haben zuletzt viel und hart trainiert“, sagte er. Jetzt gehe es darum, sich wie bei Vetter in den nächsten Wochen für Tokio den „Feinschliff“ zu holen. Um dann an Tag X, wenn es darauf ankommt, voll da zu sein.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
21.05.2021 Internationales Leichtathletik Meeting Anhalt 2021 Dessau-Roßlau (Deutschland)
19.05.2021 Golden Spike Ostrava 2021 Ostrava-Vítkovice (Tschechien)
24.07.–09.08.2020 Olympische Sommerspiele 2020 Tokio (Japan)