Zweibrücken/Tokio. Der große Tag steht bevor. Der, auf den Chris­tin Hussong so lange hintrainiert, hingefiebert hat. Ein Jahr länger als ursprünglich geplant, mit un­erwarteten Hindernissen durch die Pandemie, aber auch tollen Erfol­gen. Doch das alles liegt nun hinter der Speerwerferin des LAZ Zweibrü­cken. Die Zitterpartie in der Quali­fikation am Dienstag – abgehakt. „In der Quali haben sich schon vie­le große Namen schwergetan. Was in der Quali passiert, interessiert am Freitag keinen mehr“, sagte die 27­-Jährige nach ihrem ersten Auf­tritt im Olympia­-Stadion von Tokio, als sie sich mit 61,68 Metern als Elfte für das Finale qualifizierte.

Und dort, in diesem einen Mo­ment soll nun der Lohn für die har­te, die akribische Arbeit an Kraft und Technik der vergangenen Monate, sogar Jahre folgen. Das Edelmetall auf der Weltbühne, das der amtie­renden Europameisterin bei der WM 2019 in Doha als Vierte noch knapp verwehrt blieb – bei den Olympi­schen Spielen soll es nun Wirklich­keit werden.

Von den Vorleistungen her zählt Christin Hussong ganz klar zu den Medaillenanwärterinnen. Von dem Auftritt in der Qualifikation, in der sich auch zahlreiche andere Spit­zen­-Athletinnen schwer getan ha­ben, lässt sich die Herschbergerin dabei nicht aus der Ruhe bringen. „Egal was du in diesem Jahr für eine Serie geworfen hast, solch eine Qua­li ist immer ein bisschen eigen“, be­tont auch Alexander Vieweg, Vorsit­zender des LAZ Zweibrücken – und 2008 in Peking selbst Olympia-­Teil­nehmer im Speerwurf. „Ich weiß, was die Fehler waren und kann diese normalerweise abstellen“, er­klärte Hussong am Dienstag voller Selbstbewusstsein.

Welches sie sich gemeinsam mit Vater und Trainer Udo Hussong er­arbeitet hat. Durch kontinuierliche Leistungssteigerungen über Jah­re hinweg, durch konstant starke Würfe in der Weltspitze im Olym­pia­-Sommer. Ihre Bestmarke hat Hussong dabei auf 69,19 Meter ge­steigert, liegt damit auf Rang zwei der Weltjahresbestenliste. Sicher­heit hat sich die LAZ-­Athletin auch dadurch geholt, dass fünf der neun weltweit besten Würfe in diesem Jahr von ihr stammen. Aber Hussong, die seit 2010 bei zahlreichen internationalen Höhepunkten am Start war, ist auch bewusst: Das zählt am Freitag nicht mehr. „Die anderen können auch alle weit werfen und auch immer einen treffen. Das geht im Speerwurf so schnell – aber ich weiß, was ich kann“, betonte sie im Vorfeld ihrer zweiten Olympischen Spiele nach Rio 2016. Damals war ihr Anspruch ein anderer als heu­te. Vor fünf Jahren, bei ihrem Olym­pia-­Debüt, war es „etwas ganz Be­sonderes“, das Finale zu erreichen. Dort wurde Christin Hussong Zwölf­te. Im Land der aufgehenden Sonne soll nun der Sprung aufs Podest ge­lingen. „Ich liebe das Gefühl, wenn der Speer perfekt fliegt, sobald er meine Hand verlässt“, hatte die LAZ-­Athletin gegenüber DLV­-On­line vor der Abreise nach Tokio er­zählt. Dieses Gefühl, den Speer per­fekt zu treffen, will sie am Freitag, 6. August 2021 ab 20.50 Uhr Ortszeit Tokio – 13.50 Uhr deutscher Zeit – mindestens einmal erleben. Nicht nur im 800­-Seelen-­Ort Herschberg werden dann kräftig die Daumen ge­drückt, damit das gelingt – beson­ders von Mutter Gabi, die dieses Mal nicht live vor Ort dabei sein kann.

Alexander Vieweg ist zuversicht­lich. Christin Hussong sei gestärkt genug, um das Finale voll fokussiert anzugehen. „Du hast da anders als in der Quali sechs Versuche, da kannst du anders rangehen. Da findet man leichter in den Wettkampf“, erklärt er. „Und wenn Christin das abruft, was sie das ganze Jahr über konstant ge­worfen hat, womöglich sogar noch was drauflegt, dann ist sie ganz vor­ne mit dabei.“ In den Medaillenrän­gen bei den Olympischen Spielen.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
23.07.–08.08.2021 Olympische Sommerspiele 2020 Tokio (Japan)