Herschberg. Freitag, 13.50 Uhr, die Straßen in Herschberg sind leergefegt. Es ist heute nicht das schlechte Wetter, das die Menschen im Dorf von der Straße treibt. Heute ist es ihre Christin, die gerade im Olympiastadion von Tokio mit dem Speer in der Hand kurz vor dem Abwurf steht. Leider war es nicht ihr Tag, wie sich später herausstellt.Nicht alle Herschberger wollen die Übertragung aber am eigenen Fernseher erleben. Ein kleines Häufchen von knapp zehn Fans hat sich an der Minigolfanlage von Dominik Schefsky eingefunden. Bei gutem Wetter gäbe es heute hier keine Sitzplätze mehr, meint der Anlagenbetreiber.

Die Stimmung am großen Tisch wird nur dadurch getrübt, dass die Fernsehbilder von Christin Hussongs Wettkampf immer wieder unterbrochen werden, weil zeitgleich auch das Tischtennis-Mannschaftsfinale zwischen China und Deutschland läuft.

Nach dem ersten Wurf der Medaillenkandidatin vom LAZ Zweibrücken sind alle noch sehr zuversichtlich. Christin mache das noch, sind sich alle am Tisch einig. Jeder von ihnen kennt die 27-Jährige persönlich. Die einen vom Kindergarten, andere gingen mit ihr zur Schule, wohnen in der Nachbarschaft oder kennen sie aus dem Sportverein.

Als Vater und Trainer Udo Hussong kurz im Bild erscheint, sieht einer der älteren Zuschauer Sorgenfalten in seinem Gesicht. Die werden auch nach dem zweiten Wurf nicht weniger. Das sei nicht Christins Tag, ist immer wieder zu hören. Und ausgerechnet als die Herschbergerin zu ihrem letzten Wurf ausholt, funken wieder die deutschen Tischtennisspieler dazwischen.

Die Spannung ist zum Zerreißen – und alle hoffen, dass der nicht gesehene Wurf ein großer Knaller war. Die Hiobsbotschaft kommt dann aber schnell über das Internet. Wieder unter 60 Meter, stellt der Mann mit dem Handy resignierend fest. Nach drei Würfen platzt der Medaillentraum und das Finale ist für Christin Hussong vorzeitig zu Ende. Am Ende steht nur Platz neun.

Nach ein paar Minuten des Schweigens schlägt die Stimmung aber wieder um. Zwar bedächtiger als nach der erhofften Medaille lässt die kleine Fanrunde die wohl bekannteste Herschbergerin hochleben. Doch wenn sie zurückkommt, werde man feiern, ist sich eine Gruppe einig, die etwa das gleiche Alter wie Hussong haben dürfte. „Wir sind heute schon ein bisschen traurig“ – doch enttäuscht seien sie keinesfalls, sagen sie mit großer Überzeugungskraft. Und einige sprechen schon von den Olympischen Spielen 2024 in Paris.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
26.07.–11.08.2024 Olympische Sommerspiele 2024 Paris (Frankreich)
23.07.–08.08.2021 Olympische Sommerspiele 2020 Tokio (Japan)